Erinnerung an den Völkermord vor 25 Jahren

dpa

Von dpa

Mo, 08. April 2019

Ausland

Gedenkfeiern in Ruanda.

KIGALI (dpa). 25 Jahre nach dem brutalen Völkermord in Ruanda hat das afrikanische Land der mehr als 800 000 Opfer und der Überlebenden gedacht. "Die Geschichte wird sich nicht wiederholen", versprach Präsident Paul Kagame am Sonntag bei der Gedenkveranstaltung in Kigali. "Nicht nur wurden Körper zerstört, sondern auch die Idee von Ruanda selbst", sagte der 61-Jährige, der maßgeblich zum Ende des Genozids 1994 beigetragen hatte. "Was hier passiert ist, wird niemals wieder passieren."

Gäste aus aller Welt versammelten sich am Sonntag in Ruanda, um des 25. Jahrestags des Genozids zu gedenken. Angezettelt von der Hutu-Regierung und einer ihr nahe stehenden Miliz töteten Hutu damals rund 800 000 Tutsi sowie gemäßigte Hutu – Freunde, Bekannte, Nachbarn, selbst Ehepartner und Kinder. Die Weltgemeinschaft schaute weitgehend weg. Erst als die im Exil von Tutsi gegründete Ruandische Patriotische Front (RPF) mit Kagame an der Spitze aus Uganda einmarschierte, wurde das Massaker beendet. Der Völkermord dauerte nur rund hundert Tage.

Kagame lobte, wie weit Ruanda seitdem gekommen sei. "25 Jahre später sind wir hier, alle zusammen. Verletzt und mit gebrochenen Herzen, ja, aber unbesiegt", sagte der Staatschef. "Niemand hat die Macht, Ruander jemals wieder gegeneinander aufzubringen." Die Ereignisse seien auch ein Zeichen der Hoffnung für die Welt. Denn das Land habe gezeigt: "Keine Gemeinde ist irreparabel."

Seit dem Völkermord hat Ruanda eine bemerkenswerte Entwicklung durchlebt. Unter Kagame – der seit Ende des Genozids de facto, seit 2000 als Präsident an der Macht ist – hat das ostafrikanische Land Stabilität und großes Wirtschaftswachstum erlebt. Etliche Programme der Regierung und der Zivilgesellschaft haben die Versöhnung im Land vorangetrieben. Aber es werden auch Meinungsfreiheit, Oppositionsarbeit und die Zivilgesellschaft stark eingeschränkt. Die Behörden würden Regierungskritiker belästigen, unrechtmäßig festnehmen, sogar foltern, kritisiert etwa Human Rights Watch.

Paul Kagame und seine Ehefrau Jeannette legten am Sonntagmorgen in der Völkermord-Gedenkstätte in Kigali Kränze nieder. "Zeit kann niemals die dunkelsten Stunden unserer Geschichte ausradieren", sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, der an der Zeremonie teilnahm. "Es ist unsere Pflicht, uns zu erinnern."