Flüchtlinge gehen nach Sturm an Land

dpa

Von dpa

Di, 03. September 2019

Ausland

Deutsches Schiff jetzt in Italien.

ROM (dpa). Dutzende Migranten von blockierten Rettungsschiffen dürfen nach einer Sturmnacht in Italien an Land. Der Kapitän des deutschen Schiffs Eleonore, Claus-Peter Reisch, rief nach einer Woche Blockade auf dem Meer den Notstand aus und steuerte trotz eines Verbots der italienischen Regierung nach Sizilien. Dort konnte er am Montag im Hafen von Pozzallo rasch anlegen. Die Migranten durften aussteigen. Das Schiff werde beschlagnahmt, erklärte das Innenministerium in Rom. Auch von dem Rettungsschiff Mare Jonio durften die Migranten nach knapp einer Woche von Bord.

Die Lage auf der Eleonore war schon seit Tagen heikel. Das als private Motorjacht registrierte Boot war viel zu klein für die vielen Menschen. In der Nacht zum Montag kam ein Gewittersturm dazu. "Es herrschte Lebensgefahr; so hoch waren die Wellen", sagte der SPD-Politiker und Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Markus Rinderspacher, der seit Sonntag mit an Bord war. Auf Videos ist zu sehen, wie Blitze um das schaukelnde Schiff zucken. Die Migranten sitzen mit silber-goldenen Wärmedecken gedrängt in jeder möglichen Ecke des Schiffs. Es hätten sich längst nicht alle Flüchtlinge unter Deck sichern können, viele wurden nass bis auf die Haut, sagte Rinderspacher. "Die 104 Flüchtlinge sind durchnässt und nach sieben Tagen auf dem Schiff völlig erschöpft und ausgelaugt." Reisch entschied also, den Notfall auszurufen. Das Seerecht sagt, dass Schiffe, die den Notstand ausrufen und auf denen Leben in Gefahr ist, einen Hafen ansteuern dürfen.

Doch der Fall der deutsche Kapitänin Carola Rackete ist präsent: Sie war mit dem Schiff Sea-Watch 3 unerlaubt in den Hafen von Lampedusa gefahren und war vorübergehend festgenommen worden. Noch-Innenminister Matteo Salvini zeigte sich auch jetzt hart: "Gesetze und Grenzen müssen respektiert werden. Wenn jemand meint, dass er darauf ohne Konsequenzen pfeifen kann, hat er sich gewaltig geirrt." Doch der Chef der rechten Lega ist auf dem Weg in die Opposition. Die Fünf-Sterne-Bewegung verhandelt mit den migrationsfreundlicheren Sozialdemokraten über eine Koalition.