Heftige Zusammenstöße in Hongkong

dpa

Von dpa

Mo, 02. September 2019

Ausland

Peking verlegt weitere Truppen an Stadtgrenze / Demonstranten stören erneut Flughafenbetrieb.

HONGKONG (dpa). Schwere Ausschreitungen haben Hongkong am Wochenende ins Chaos gestürzt. Nach heftigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten am Samstag störten Tausende am Sonntag vorübergehend wieder den Betrieb am internationalen Flughafen. Es war das 13. Wochenende in Folge, an dem in der autonom verwalteten chinesischen Sonderverwaltungsregion demonstriert wurde. Der Unmut richtet sich gegen die Regierung, gegen Polizeigewalt, aber auch gegen Chinas kommunistische Führung. Mit neuen Truppenverlegungen an die Grenze und Übungen von Spezialkräften erhöhte Peking den Druck auf Hongkong.

Das Wochenende begann am Samstag mit einem friedlichen Umzug, aber endete in Gewalt. Trotz des Verbots einer Großdemonstration zogen am Samstag Tausende in einem als religiös deklarierten Marsch durch die asiatische Wirtschafts- und Finanzmetropole. Aus Sicherheitsgründen hatte die Polizei eine größere Demonstration verboten. Damit wollten die Demonstranten eigentlich den fünften Jahrestag des Scheiterns der Wahlreform 2014 begehen, die freiere Wahlen ermöglicht hätte, aber damals von der kommunistischen Führung in Peking blockiert wurde.

"Es ist ein Gedenktag für uns", sagte die Demonstrantin Beatrix Wong. "Deswegen haben wir uns versammelt, um gemeinsam für unser Recht zu kämpfen. Wir tun es ohne Erlaubnis, weil es ein Menschenrecht ist." Im Anschluss kam es allerdings nahe dem Regierungssitz zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizeikräften, die bis in die Nacht andauerten. Radikale Aktivisten blockierten Verkehrsadern, warfen Steine, Brandsätze und legten Feuer an Straßenblockaden.

Die Polizei ging mit Tränengas und Wasserwerfern vor. In das Wasser wurde blaue Farbe gemischt, offenbar um Protestler leichter identifizieren zu können. Zweimal gaben Polizisten auch Warnschüsse in die Luft ab, als sie "von einer großen Gruppe gewalttätiger Protestler angegriffen" wurden, wie die Polizei berichtete. Sie hätten versucht, ihnen die Waffen zu entreißen.

Ein Video von Sicherheitskräften, die in der U-Bahn flüchtende Demonstranten festnehmen wollten und dabei mit Pfefferspray und Schlagstöcken auch gegen normale Passagiere vorgingen, sorgte für Empörung. An vielen Orten schallte Polizisten der Ruf "Gangster" entgegen. Eine Aktivistin, die am Sonntag an der Aktion am Flughafen teilnahm und nur ihren Vornamen Natalie nennen wollte, beklagte die Polizeigewalt: "Was gestern passiert ist, ist nicht hinnehmbar."

Ähnlich sagte eine Büroangestellte namens Vincy, die am Flughafen demonstrierte: "Es ist völlig unangemessen – und dies ist ein Weg, um unsere Verärgerung über die Regierung und die Polizei zu zeigen. Bürger zu verprügeln, ist irrwitzig – egal, was sie sagen." Etwa drei Stunden lang belagerten Tausende von außen den Flughafen. Der normale Betrieb des Drehkreuzes wurde schwer behindert.