In Libyen droht erneut Krieg

dpa

Von dpa

Mo, 08. April 2019

Ausland

Regierung in Tripolis kündigt Offensive gegen die Truppen des rivalisierenden Generals Haftar an.

TRIPOLIS/DINARD (dpa/AFP). Trotz internationaler Aufrufe, die Gewalttätigkeiten zu beenden, steuert Libyen weiter auf einen neuen Bürgerkrieg zu. Anhänger der international anerkannten Regierung in Tripolis verkündeten am Sonntag eine Offensive gegen die Truppen des mächtigen Generals Chalifa Haftar. Seit Beginn der Kämpfe sind nach Angaben der Regierung mindestens 21 Menschen getötet worden.

Die Operation "Vulkan des Zorns" habe das Ziel, alle libyschen Städte von illegalen Kräften zu "säubern", erklärte ein Militärsprecher. Haftars Luftwaffe wiederum flog nach eigenen Angaben Angriffe auf Vororte der Hauptstadt.

Die internationale Gemeinschaft erhöhte am Wochenende den Druck auf Haftar und forderte einen Stopp seines Vormarsches auf die Hauptstadt. Die Gruppe der sieben großen Industriestaaten (G 7) zeigte sich am Samstag bei einem Außenministertreffen im bretonischen Küstenort Dinard sehr besorgt über die Lage in Libyen. Die G-7-Runde sei sich einig gewesen, "dass wir alle unsere Möglichkeiten nutzen müssen, um Druck auszuüben auf die Verantwortlichen in Libyen, insbesondere auf General Haftar, dass jede weitere militärische Eskalation unterbleibt", sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) am Rande des Treffens.

Mit der international anerkannten Regierung Libyens unter Ministerpräsident Fajes al-Sarradsch konkurriert seit langem eine zweite Regierung in Ostlibyen, die mit dem 75 Jahre alten General Haftar verbunden ist. Dessen Truppen marschieren seit Donnerstag auf Tripolis zu. Haftar will die Hauptstadt einnehmen und das ölreiche Krisenland unter seine Führung bringen. Al-Sarradsch seinerseits kündigte am Samstagabend Widerstand an: Haftars Kriegserklärung werde auf Entschlossenheit und Stärke treffen, sagte er in einer TV-Ansprache. Er warf Haftar vor, das Land in einen "neuen Kreislauf der Gewalt" stoßen zu wollen. Haftar hat sich in den vergangenen Jahren zur einflussreichsten Figur Libyens entwickelt. Er genießt den Ruf eines Militärs, für den die Politik erst an zweiter Stelle kommt.

Libysche Medien meldeten am Sonntag Gefechte um den internationalen Flughafen südlich von Tripolis. Beide Seiten behaupteten, den stillliegenden Airport zu kontrollieren. Ein Aufruf der Vereinten Nationen zu einer zweistündigen Waffenruhe am Sonntagnachmittag scheiterte. Die UN-Mission hatte Verletzte und Zivilisten aus dem Kampfgebiet bringen wollen. Das US-Afrikakommando teilte mit, ein Kontingent von Soldaten sei vorübergehend aus Libyen abgezogen worden.

Die UN wollen trotz der Eskalation an der für Mitte April geplanten Versöhnungskonferenz in der Stadt Ghadames festhalten. "Wir arbeiten weiter an einer politischen Lösung für Libyen", sagte UN-Vermittler Ghassan Salame in Tripolis.