Jüdischer Friedhof im Elsass geschändet

Bärbel Nückles und AFP

Von Bärbel Nückles & AFP

Mi, 04. Dezember 2019

Ausland

In zwei Orten im Elsass wurden Grabsteine und Gebäude mit Hakenkreuzen beschmiert / Französische Politiker reagieren mit Entsetzen.

STRASSBURG. Zum wiederholten Mal in diesem Jahr haben im Elsass Unbekannte einen jüdischen Friedhof in schockierendem Ausmaß geschändet. Auf dem israelitischen Friedhof von Westhoffen, eine halbe Autostunde von Straßburg entfernt, wurden am Dienstag auf 107 Gräbern Hakenkreuze entdeckt.

Ähnliche Schmierereien befanden sich am Dienstagvormittag auch am Rathaus und der Synagoge von Schaffhouse-sur-Zorn, ein Ort, der weiter nördlich liegt. Den Behörden zufolge dürften beide Taten in Zusammenhang stehen. Zunächst waren die Schmierereien in Schaffhouse-sur-Zorn entdeckt worden. Dort fanden sich Hinweise auf die Tat in Westhoffen.

Die zuständige Gendarmerie geht davon aus, dass die Täter in der Nacht auf Dienstag am Werk waren. Am Nachmittag befand sich eine Spezialeinheit zur Beweisaufnahme vor Ort. Straßburgs Präfekt Jean-Luc Marx verurteilte die antisemitische Tat aufs Schärfste. In einer Mitteilung heißt es: "Solche feigen Akte des Hasses dürfen nicht das Zusammenleben innerhalb der Gesellschaft in Frage stellen." Der Staat werde "entschlossen gegen die Welle antisemitischer und rassistischer Taten ankämpfen und ihr ein Ende bereiten".

Frankreichs Innenminister Christophe Castaner teilte mit: "Diese abscheulichen und abstoßenden Taten sind eine Beleidigung der Werte unserer Republik." Auch Premierminister Edouard Philippe drückte auf Twitter seine "Empörung" und "Abscheu" aus. Und der französische Großrabbiner Haïm Korsia zeigte sich in einem Tweet "schockiert und entsetzt". Im Februar dieses Jahres hatten Unbekannte 96 Gräber auf dem jüdischen Friedhof von Quatzenheim bei Straßburg mit Hakenkreuzen und antisemitischen Schriftzügen beschmiert und beschädigt.