Konservativer Giammattei siegt in Guatemala

Sandra Weiss

Von Sandra Weiss

Di, 13. August 2019

Ausland

Geringe Wahlbeteiligung.

PUEBLA. In einer von Apathie und Unregelmäßigkeiten überschatteten Wahl ist der konservative Arzt Alejandro Giammattei am Sonntag zum neuen Präsidenten Guatemalas gekürt worden. Er erhielt nach Auszählung von 90 Prozent der Wahlzettel 59 Prozent der Stimmen. Seine sozialdemokratische Herausforderin Sandra Torres kam auf 40 Prozent. Am Sonntag blieben die meisten Wahllokale allerdings leer: Laut offizieller Angaben gaben weniger als 30 Prozent der Wähler ihre Stimme ab. Grund für die Apathie ist, dass bei der Bevölkerung favorisierte Kandidaten durch umstrittene Gerichtsurteile erst gar nicht an der Wahl hatten teilnehmen dürfen. Sowohl Giammattei als auch Torres stehen für die korrupte, alte Elite und damit den Status Quo des mittelamerikanischen Landes.

Giammattei ist ein Arzt, der noch nie ein politisches Amt bekleidet hat. Es war sein vierter Anlauf, Präsident zu werden. Der 63-Jährige gilt als Strohmann der konservativen Unternehmerschaft und steht für eine liberale, unternehmerfreundliche Wirtschaftspolitik – und für eine harte Hand gegen das Verbrechen. Zudem will er wie der aktuelle Amtsinhaber Jimmy Morales die Mission der UN-Antikorruptionsbekämpfer auslaufen lassen. Die sogenannte UN-Kommission gegen Straffreiheit (CICIG) war seit 2006 im Land und hat zahlreiche hohe Politiker, Militärs und Unternehmer hinter Gitter gebracht und deren mafiöse Netzwerke im Staat zerschlagen.

In Sachen Armutsbekämpfung hat Giammatei keinen Plan. In Guatemala sind laut UN-Angaben 59 Prozent der Menschen arm – Tendenz seit 2006 steigend. 160 000 haben in den vergangenen acht Monaten ihr Land verlassen und versuchen, über Mexiko in die USA zu gelangen. Giammattei galt ebenfalls als Favorit der US-Regierung, die in dem mittelamerikanischen Land offensiv eigene geostrategische Interessen verfolgt. Dazu gehört die Bekämpfung des Drogenhandels und der Migration. In beidem will Giammattei im Sinne der USA hart durchgreifen.