Maas warnt vor Krieg am Golf

dpa

Von dpa

Mo, 22. Juli 2019

Ausland

Außenminister in Sorge wegen Krise um britisches Schiff / London prüft Strafaktion gegen den Iran.

LONDON/BERLIN (dpa). In der Tankerkrise am Persischen Golf muss der Iran mit britischen Strafaktionen rechnen. London prüft laut Verteidigungsstaatssekretär Tobias Ellwood eine "Reihe von Optionen" und will diese an diesem Montag bekanntmachen. Seit die Iranische Revolutionsgarde einen Ölfrachter unter britischer Flagge in ihrer Gewalt haben, schaukelt sich der Konflikt hoch. Außenminister Heiko Maas (SPD) befürchtet den Ausbruch eines Krieges in der Region.

Die Krise trifft Großbritannien in innenpolitisch turbulenten Zeiten angesichts des ungelösten Brexits und des Rücktritts von Regierungschefin Theresa May. Vermutlich übernimmt der umstrittene frühere britische Außenminister Boris Johnson an diesem Mittwoch Mays Posten.

Der iranische Botschafter in Großbritannien, Hamid Baeidinedschad, schrieb auf Twitter, es gebe politische Kreise in London, die Spannungen jenseits des Tankerstreits wollten. Dies sei gefährlich und unklug. "Der Iran bleibt jedoch entschlossen und ist auf alle möglichen Szenarien vorbereitet", so der Diplomat.

Da der Tanker in den Gewässern des Omans gestoppt worden sei, sprach die britische Verteidigungsministerin Penny Mordaunt von einer "feindlichen Handlung". Ihr Kabinettskollege, Außenminister Jeremy Hunt, schrieb davon, dass der Iran einen "gefährlichen Weg des illegalen und destabilisierenden Verhaltens" beschreite. Dem Sender Sky News sagte Hunt: "Wir sind absolut deutlich, dass es sehr ernste Konsequenzen geben wird, wenn diese Situation nicht schnell gelöst wird." Eine militärische Vergeltung schloss Hunt erst einmal aus.

US-Präsident Donald Trump will sich eng mit Großbritannien abstimmen und schickt zur Abschreckung Soldaten nach Saudi-Arabien. Für Außenminister Maas ist die Lage am Golf "noch ernster und gefährlicher geworden" als ohnehin schon. Maas sagte der Bild am Sonntag: "Es geht darum, Krieg zu verhindern." Sollte es zu einer militärischen Eskalation kommen, gäbe es "keine Gewinner, nur Verlierer".

Der Oman drängt Großbritannien und den Iran zu einer diplomatischen Lösung. Man stehe mit mehreren Seiten in Kontakt, um die sichere Fahrt der Schiffe durch die Straße von Hormus zu garantieren, twitterte das omanische Außenministerium am Sonntag. Anders als die restlichen Golfstaaten pflegt der Oman gute Beziehungen zum Iran.

Der Zwischenfall im Persischen Golf belastete die Börsen und trieb den Ölpreis nach oben. Die Meerenge im Golf von Oman ist eine der wichtigsten Seestraßen der Welt. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch dieses Nadelöhr verschifft.