Papst hält am Zölibat fest

afp

Von afp

Do, 13. Februar 2020

Ausland

Lehrschreiben lehnt auch Weiheämter für Frauen ab / Freiburgs Erzbischof sieht dennoch Fortschritte.

ROM/FREIBURG (dpa/BZ). Papst Franziskus hat Hoffnungen auf eine Öffnung der katholischen Kirche für verheiratete Priester zerschlagen. In einem seit Monaten erwarteten Lehrschreiben vermeidet der Pontifex eine Aussage über die Zulassung von verheirateten Männern zur Weihe in der Amazonas-Region. Auch dem Ruf nach einem Diakonat für Frauen kommt er nicht nach.

Für den Reformweg der deutschen Kirche ist das in den Augen vieler ein Rückschlag. "Leider findet er nicht den Mut dazu, in den seit 50 Jahren diskutierten Fragen der Weihe verheirateter Männer und der liturgischen Kompetenzen von Frauen echte Reformen umzusetzen", erklärte der Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, zum Schreiben des Papstes.

In dem Dokument "Querida Amazonia" (Geliebtes Amazonien) spricht der Papst vor allem über die Zerstörung des Regenwaldes und seiner Völker. Es folgt auf das Bischofstreffen im Oktober im Vatikan. Damals hatte sich die Mehrheit der mehr als 180 Teilnehmer für die Weihe von verheirateten Männern in Ausnahmefällen in der Regenwaldregion ausgesprochen, um dort den akuten Priestermangel zu bekämpfen. Darüber war ein Streit zwischen Konservativen und Modernisierern entbrannt.

Statt auf das Problem konkret einzugehen, betont Franziskus nur, dass ein Weg gefunden werden muss, "um diesen priesterlichen Dienst zu gewährleisten". Laien könnten "das Wort verkünden, unterrichten, ihre Gemeinschaften organisieren, einige Sakramente feiern", aber sie könnten nicht die Eucharistie feiern und die Beichte abnehmen. Das sei Priestern vorbehalten.

Franziskus ruft zwar zu mehr Frauen in Führungspositionen auf, eine Weihe für geistliche Ämter kommt für ihn aber nicht infrage. "Die Frauen", heißt es in dem Dokument, "leisten ihren Beitrag zur Kirche auf ihre eigene Weise und indem sie die Kraft und Zärtlichkeit der Mutter Maria weitergeben."

Franziskus’ Schreiben hat auch Auswirkungen auf den Synodalen Weg in Deutschland. Bei dem Reformprozess der Bischofskonferenz mit dem Zentralkomitee der Katholiken geht es ebenfalls um Zölibat und Frauen. Der noch amtierende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, der als Treiber der Reform gilt, sieht in dem Schreiben keine endgültige Stellungnahme zum Zölibat: "Ich habe nicht den Eindruck, dass der Papst das Thema vom Tisch nimmt", sagte er am Mittwoch. Ähnlich äußerte sich der Freiburger Erzbischof Stephan Burger: "Auch wenn es zum Teil noch höhere Erwartungen an das nachsynodale Schreiben gab, sehe ich selbst in der Zulassung bewährter Laien zu Gemeindeleitern einen wichtigen Schritt, gerade die Laien in unserer Kirche zu stärken." Die Laienorganisation "Wir sind Kirche" dagegen bezeichnete das Schreiben als "sehr enttäuschend".