Party bei den Derwischen

Norbert Mappes-Niediek

Von Norbert Mappes-Niediek

Sa, 25. September 2010

Ausland

Sie sind Muslime und tolerant: Eine Reise mit den albanischen "Bektashi" auf den Berg Tomorr.

Dürfen denn fromme Muslime den Propheten im Bild darstellen? Bedächtig schlägt der Dedebaba sein blütenweißes Gewand über dem Knie zurecht und streicht sich den langen Bart. "Ja", sagt der alte Mann nach einer effektvollen Pause und legt das Gesicht über dem Bart in Lachfältchen, "das dürfen sie. Wenn einer nach Hause kommt, legt er Hut oder Schleier doch ab."

Wenn der oberste Derwisch des Bektashi-Ordens eine Antwort gibt, dann ist es erst einmal am Fragenden, eine Denkpause einzulegen. Das Verbot, Allah, den Propheten Mohammed und sogar alle Menschen im Bild darzustellen, wie strenge Theologen es verhängt haben, gilt hier nicht. An der Fassade der Tekke, des Derwisch-Klosters hoch in den Bergen Albaniens, prangt ein Billboard mit den männlichen, aber doch sanften Zügen eines Helden, der ein bisschen Jesus oder Che Guevara gleicht.

Im Mutterhaus des Ordens in der Hauptstadt Tirana hängt sogar ein Bild, das für die Glaubenswächter in Teheran und erst recht in Mekka die schlimmstmögliche Gotteslästerung wäre: Wie die Heilige Familie der Christen sieht man hier den Propheten selbst, seine Tochter Fatima und deren Mann, den Kalifen Ali. Zu ihren Füßen hocken die Söhne der beiden, Hassan und Hussein. Über den Himmel schweben Engel mit Flügeln. Hier bei den Derwischen, sagt der Dedebaba mit seinen vorsichtigen Worten, darf Mohammed sich zu Hause fühlen. Und wer immer sonst ihn liebt und darstellt, lädt den Propheten ein, sich bei ihm eben zu Hause zu fühlen.

Der kleine, schattige Balkon des Klosters, auf dem der ...

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