Spanien

Verschwunden, nicht vergessen

Martin Dahms

Von Martin Dahms

Do, 07. Februar 2013

Ausland

Über Jahrzehnte wurden in spanischen Krankenhäusern Eltern die Kinder entrissen und Fremden zur Adoption übergeben.

Am 18. August 1980 brachte Maricruz Rodrigo einen Jungen zur Welt. Sechs Tage später starb er. Zumindest nach Auskunft der Ärzte im Krankenhaus. Doch Rodrigo glaubt nicht an seinen Tod.
Maricruz Rodrigo ist eine kleine, energiegeladene Frau. Wenn die 53-Jährige aus Fuenlabrada bei Madrid ihr leuchtend rotes Haar zum Dutt zusammenbindet, bekommt ihr Gesicht einen strengen, entschlossenen Ausdruck. Sie verfolgt ein Ziel, das sie nie mehr aus den Augen verlieren wird: Sie will ihren Sohn finden. "Bis zu dem Tag, an dem ich sterbe, muss ich ihn suchen", sagt sie. "Ich muss ihn finden und ihm die Wahrheit sagen."
Rodrigo ist eine von vielen. In den vergangenen zwei Jahren sind bei spanischen Gerichten fast 2000 Anzeigen eingegangen, die den mutmaßlichen Raub neugeborener Kinder in Krankenhäusern im ganzen Land beklagen. Die Säuglinge wurden ihren leiblichen Müttern weggenommen, um sie Adoptiveltern zu übergeben – zumeist in den sechziger, siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, während der ...

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