Wegen Intrigen geschlossen

Elke Windisch

Von Elke Windisch

Di, 21. Juli 2009

Ausland

Mitten in der Wirtschaftskrise macht der Kreml den größten Markt Osteuropas dicht – und schickt damit Hunderttausende arbeitslos auf die Straße

Ich muss durchhalten. Durchhalten. Immer wieder denkt Aybek diesen Satz, den Blick seiner schwarzen Knopfaugen starr auf das Ende der Schlange vor ihm gerichtet, das in diesem Fall der Anfang ist. Dort steht ein Kessel, der Duft der aus ihm aufsteigt, sorgt für Krämpfe in seinem leeren Magen und macht das Heimweh noch ein bisschen schlimmer. Denn im Kessel ist Plow: In Baumwollöl geschmortes Hammelfleisch, dessen Saft allmählich in die darüber geschichteten Möhrenstifte und den mit Rosinen und allerlei feinen Gewürzen gemischten Reis aufsteigt und ihn sanft gart. Eine Köstlichkeit, die Aybek selbst Dutzende Male zubereitet hat.

Das war zu Hause, im kirgisischen Teil des Fergana-Tals, das aus der Luft aussieht, als wäre ein grüner Diamant in die Wüsten Zentralasiens gefallen. Hoffnungslos übervölkert, ernährt es die Bewohner nicht mehr. Einige der Bewohner hat es auf der Suche nach Arbeit bis ins 4000 Kilometer entfernte Moskau verschlagen. Auch Aybek. Sieben Tage die Woche und bis zu vierzehn Stunden täglich hat er Güterzüge und Lastwagen entladen, die im Minutentakt den riesigen Markt im Osten Moskau ansteuern, den größten Markt Osteuropas, ein Spiegelbild des einstigen Vielvölkerstaates Sowjetunion.

Er nennt sich nach dem Dorf Tscherkisowo, das einst hier stand: Tscherkison. Ein Moloch, der rund 150 000 Menschen Arbeit gab. Lastenträgern, Pächtern von Ständen und Dixie-Klos, Besitzern von Cafés und Nagelstudios, Lieferanten und Spediteuren: Russen, Afghanen, Chinesen, Vietnamesen, Indern, Pakistanis, Türken, Syrer. Vor allem aber Menschen aus den zentralasiatischen Ex-Sowjetrepubliken. Leuten wie Aybek.

8000 Rubel erhielt Aybek im Monat, keine 200 Euro. ...

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