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Reportage

Bald 100 Tage Haft: Wie Familie und Freunde für Deniz Yücel kämpfen

Seit fast 100 Tagen ist der deutsche Journalist Deniz Yücel in der Türkei inhaftiert. Ein Besuch bei seiner Familie und bei seinen Freunden, die sich "die Gurkentruppe" nennen – und die sich für seine Freiheit einsetzen.

Und wenn die Türken Deniz irgendwann gehen lassen, wenn er raus darf aus dem Gefängnis und auch aus dem Land, wenn er ins nächste Flugzeug steigt und zu guter letzt wieder im elterlichen Wohnzimmer vor der grauen Fernsehcouch steht, was machen sie dann als Erstes? Wild feiern? Esma Yücel, 74, stutzt. Lächelt mild. Na, das Erste, was sie dann mache, sei: Ihrem Sohn verklickern, dass sie ihn nicht mehr gehen lasse und er seinen Beruf bitte künftig in Deutschland ausüben soll.

Die Yücels schalten nur deutsche Sender ein
In einer Wohnung im hessischen Flörsheim, keine zehn Kilometer südwestlich von Frankfurt, liegt ein Stapel Zeitungen neben der Balkontür. Jeden Tag kauft sich Esma Yücel eine Welt und eine taz, um nachzusehen, ob Neues über Deniz drinsteht. Dazu die Fernsehnachrichten im Stundentakt. Die Yücels schalten nur deutsche Sender ein. Der einzige türkischsprachige, der noch unabhängig berichte, werde in Flörsheim nicht ins Kabelnetz eingespeist.

Seit Ende Februar befindet sich ihr Sohn Deniz Yücel, 43, in türkischer Untersuchungshaft. Im Hochsicherheitsgefängnis Silivri nahe Istanbul sitzt er in einer Sechs-Quadratmeter-Zelle. Offizieller Vorwurf: Volksverhetzung und Verbreitung von Terrorpropaganda. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass auch nur ein Fünkchen davon wahr sein könnte. Zur Begründung seiner Anschuldigungen hat der zuständige Staatsanwalt lediglich Artikel vorgelegt, die Yücel als Korrespondent für die Welt geschrieben hat.

Wie laut der Protest von Deniz’ Unterstützern in Deutschland ist, dass es Autokorsos gibt und Postkartenaktionen und deutliche Politikerworte, ja dass es scheint, als nehme das halbe Land am Schicksal ihres Sohnes Anteil, dies alles bedeute ihr viel, sagt Esma Yücel. Und sie sei dankbar dafür, wie vehement sich die Bundesregierung für ihren Sohn einsetze.

"Er sieht gut aus, Mama", sagt Ilkay Yücel, 42, seine Schwester. "Viel ...

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