HINTERGRUND

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Mi, 04. Dezember 2019

Wirtschaft

Arbeitsagentur Freiburg: "Ein toller Ansatz"

Die Arbeitsagentur in Freiburg war als eine von drei Pilotfilialen in Baden-Württemberg von Anfang an bei Myskills dabei. Im Agenturbezirk Freiburg, der von Emmendigen bis Müllheim und von Breisach bis Titisee-Neustadt reicht, hätten seit 2017 etwa hundert Menschen den Test absolviert. Das Berufsspektrum reiche vom Koch über Pflegehilfskräfte bis zum Lagerlogistiker. Überwiegend seien es Flüchtlinge gewesen, aber auch Un- und Angelernte, die seit langem oder schon immer in Deutschland lebten, sagt Theresia Denzer-Urschel aus der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Freiburg. "Die Software ist ein toller Ansatz. Sie hilft, das Wissen und die Berufserfahrung von Menschen sichtbar zu machen, für die sie keinen Nachweis haben. Hat man das Ergebnis, kann man gezielt nur das nachqualifizieren, was ihnen zum Berufsabschluss fehlt."

 Ein gutes Ergebnis im Test motiviere Testpersonen, einen Abschluss anzugehen – und schaffe einige Klarheit für potenzielle Arbeitgeber. Andererseits lege der Test offen, was Menschen nicht könnten – und schütze so vor falschen Erwartungen auf allen Seiten. "Wenn jemand in Kabul Autos repariert hat, dann wohl nicht nach deutschem Standard. Er kann bestimmt Räder wechseln und Ausbeulen, aber das macht ihn nicht unbedingt geeigneter als andere, um Kfz-Mechatroniker zu werden." Das Räderwechseln komme im Test gar nicht vor, aber das Innenleben eines modernen Verbrennungsmotors.

 Denzer-Urschel wünscht sich, dass es Myskills in mehr Sprachen gibt – Französisch und Italienisch etwa seien für Südbadens Arbeitsmarkt wichtig. Sie warnte aber davor, Myskills zu überschätzen. Den Berater im Jobcenter werde das Programm nicht überflüssig machen. "Der Test ist rein wissensbasiert. Er sagt nichts über die Interessenslage oder das Durchhaltevermögen eines Bewerbers."