Korane in Toiletten geworfen

Eckhard Stengel

Von Eckhard Stengel

Mi, 12. Juni 2019

Deutschland

Islamfeindliche Übergriffe.

BREMEN. Vertreter der Muslime in Deutschland und des Landes Bremen haben am Dienstag zwei offenbar islamfeindliche Übergriffe in der Hansestadt verurteilt. Am Samstag hatten Unbekannte in einer Bremer Moschee rund 50 Korane beschädigt und teilweise in WC-Becken geworfen. Bereits Ende Mai hatte ein 27-jähriger Deutscher in einer Straßenbahn einen aus Mazedonien stammenden 16-Jährigen islamfeindlich beleidigt und laut Polizei "unvermittelt von hinten mit einem Messer in den Hals" gestochen. Das Opfer musste in eine Klinik eingeliefert werden, wurde inzwischen aber entlassen. Der nach Polizeiangaben geständige Täter wurde wegen psychischer Auffälligkeiten in die Psychiatrie eingewiesen.

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) nannte die Koranschändung "eine neue Dimension der Perversion". Sie solle offenbar "die Spirale von Hass und Gewalt gegen Muslime" antreiben und damit dem gesellschaftlichen Frieden und letztlich auch der Demokratie schweren Schaden zufügen. Der ZMD erinnerte indirekt auch an den Straßenbahn-Messerangriff und bekräftigte frühere Forderungen nach einem "Beauftragten gegen Muslimfeindlichkeit" und nach Polizeischutz für Moscheen. Alle, vor allem die politischen Führungen, sollten erkennen und artikulieren: "Es ist ein Angriff auf uns alle!"

Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) verurteilte am Dienstagnachmittag die Übergriffe: "Der Bremer Senat ist zutiefst erschüttert über diese abscheulichen Verbrechen." Die Sicherheitsbehörden arbeiteten mit Hochdruck an beiden Fällen. "In Bremerhaven und Bremen ist kein Platz für Muslimhass und wir dulden keine Islamophobie." Ähnlich äußerte sich Bürgerschaftspräsidentin Antje Grotheer (SPD).