KSK-Offizier schildert rechten Extremismus

dpa

Von dpa

Sa, 13. Juni 2020

Deutschland

Missstände in Eliteeinheit.

Ein Offizier der Kommando-Spezialkräfte (KSK) hat Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) nach einem Spiegel-Bericht auf eklatante Missstände in der Eliteeinheit hingewiesen. In einem zwölfseitigen Brief schildere der Soldat, dass innerhalb des KSK rechtsextreme Tendenzen geduldet und teilweise vertuscht würden. Den Mitgliedern der Einheit werde eingebläut, keine Vorkommnisse zu melden.

Das Verteidigungsministerium bestätigte der dpa auf Anfrage den Eingang eines Briefes, ohne in Details zu gehen. Kramp-Karrenbauer fahre eine Null-Toleranz-Linie gegenüber jedem Fall von Extremismus. Die Ministerin hatte nach mehreren Fällen im KSK eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die bis zum Sommer Ergebnisse vorlegen soll.

Der Autor des Briefes, ein Hauptmann, der seit 2018 im KSK diene, berichtet laut Spiegel von einem seiner Ausbilder, der aus einer "aggressiv nationalkonservativen Gesinnung" keinerlei Hehl gemacht habe. Als "call sign", über den sich die Soldaten im Funkverkehr identifizieren, habe seine Kommandozentrale den Code "Y-88" benutzt. Die Rekruten hätten diese Anspielung auf den Hitlergruß zwar wahrgenommen, aus Angst vor Repressalien aber habe niemand etwas gesagt.

Rekruten würden zu einer Hörigkeit erzogen, "die mit den Grenzen von Befehl und Gehorsam nach Maßstäben der Bundeswehr als unvereinbar zu bewerten" seien. Strafen würden genutzt, "um Soldaten und vor allem kritische Offiziere gefügig zu machen".