Gesellschaft

Notfallmediziner: Sterben lassen ist kein Versagen

Katja Bauer

Von Katja Bauer

Mi, 01. September 2010 um 07:35 Uhr

Deutschland

Die Hochleistungsmedizin lässt den Patienten am Lebensende oft im Stich, klagt der Berliner Notfallarzt Michael de Ridder. Nun hat er ein Buch geschrieben.

Vermutlich liegt diese Frau im Sterben. Schwach ist sie auf ihr Bett niedergestreckt, das Gesicht fahl, die Hände kraftlos auf dem Laken. Ein Arzt misst ihren Puls. Kühl, ganz Mediziner. Auf der anderen Seite des Bettes steht eine Schwester in Tracht – zugewandt, mit dem Kind der Frau auf dem Arm. Die Dame, die Pablo Picasso vor gut 100 Jahren gemalt hat, ist in einem Stadium, über das Ärzte sagen: "Wir können nichts mehr tun."

Wenn Michael de Ridder diesen Satz zitiert, dann spuckt er jede Silbe zu Boden, als habe er etwas Ungenießbares zwischen den Lippen. "Dieser Satz ist falsch", ruft der Mann mit der hornfarbenen Brille und dem weißen Kittel so laut, dass man für einen Moment das Kindergeschrei von draußen nicht mehr hören kann. De Ridder ist Arzt. Vor seinem Fenster tobt das Kreuzberger Sommerleben. Und dahinter tobt der Kampf gegen den Tod. Mit Schläuchen und Spritzen, mit Tubus und Defibrillator. Mit allen Mitteln, die die Medizin des 21. Jahrhunderts zu bieten hat, so lange, bis gar nichts mehr geht. De Ridder leitet die Notaufnahme des Berliner Klinikums am Urban. Er kann nicht sagen, wie viele Menschen hier in den vergangenen ...

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