Wird die freie Wahl des Arztes eingeschränkt?

dpa

Von dpa

Mo, 09. September 2019

Deutschland

Kritik am Chef der Kassenärzte.

BERLIN (AFP/dpa). Kassenarzt-Präsident Andreas Gassen will die freie Arztwahl begrenzen. Es könne dauerhaft kaum jedem Patienten "sanktionsfrei gestattet bleiben, jeden Arzt jeder Fachrichtung beliebig oft aufzusuchen, und oft noch zwei oder drei Ärzte derselben Fachrichtung", sagte der Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der Neuen Osnabrücker Zeitung. Derzeit werde das nicht kontrolliert. Er kritisierte, die Gesundheitskarte funktioniere "wie eine Flatrate", und es gebe Patienten, "die das gnadenlos ausnutzen". Statt einer Wiedereinführung der Praxisgebühr schlug Gassen eine Versicherungsreform gegen "Ärzte-Hopping" vor. "Eine Steuerung über ein Wahltarifsystem wäre ein guter Weg", sagte er. Wer sich verpflichte, sich auf einen koordinierenden Arzt zu beschränken, sollte von einem günstigeren Kassentarif profitieren. "Wer jederzeit zu jedem Arzt gehen möchte, müsste mehr bezahlen", so Gassen.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) reagierte mit scharfer Kritik. Dessen Sprecher Florian Lanz sagte: "Patientenbeschimpfung ist mit Sicherheit keine Lösung für die aktuellen Herausforderungen." Es sei "keine gute Idee", "durch die Hintertür Strafzahlungen für kranke Menschen" vorzubereiten, "die sich hilfesuchend an die vermeintlich falsche Stelle wenden". Lanz forderte, das Gesundheitswesen müsse sich nach den Bedürfnissen der Patienten richten "und nicht umgekehrt".

Die Stiftung Patientenschutz warf Gassen vor, die Menschen zu verunsichern: "Wie im Tollhaus geht es bei den hauptamtlichen Ärztefunktionären zu."