Besuch in Bautzen

Wo das Grauen zuhause war

Franz Schmider

Von Franz Schmider

Fr, 23. August 2013

Deutschland

BZ-SERIE (TEIL 5): Das berühmt-berüchtigte Stasigefängnis verhindert bis heute, dass Bautzen auch als schöne Mittelalterstadt bekannt wird.

Es sind Orte, deren Name vielen geläufig ist – aus dem Verkehrsfunk oder der Sportschau, aus der Geschichte oder der Politik, weil der Name einen Klang hat in der Kultur oder der Wirtschaft. Es sind Orte, die für etwas stehen. Aber was sind das eigentlich für Städte, wer lebt dort und wie lebt es sich mit den Klischees? Diesen Fragen soll unsere Sommerserie nachgehen.

An einem anderen Ort und aus anderem Mund hätte der Satz so beiläufig geklungen wie eine Bemerkung übers Wetter. Aber dieses in einer ehemaligen Garage eingerichtete Café mit seinen kahlen Wänden und einfachen Stühlen ist kein beliebiger Ort und Bernd Trommer nicht irgendwer. "Ich komme gern hierher", lautet der Satz. Trommer spricht ihn ruhig aus und nimmt dann einen Schluck kaltes Wasser aus der Flasche. Er lässt die Irritation einen Moment im Raum stehen. "Das klingt sicher komisch, aber es ist so", fügt er dann hinzu.

Bernd Trommer, 67, trägt an diesem heißen Sommertag Dreiviertel-Shorts und ein türkisfarbenes T-Shirt, die Sonnenbrille legt er vor sich auf den Tisch im Besuchercafé der Gedenkstätte Bautzen. Die Gartenarbeit hat ihn gebräunt, man kann sich beim Anblick der kräftigen Oberarme vorstellen, dass er richtig zupacken kann. Er spricht ruhig, fast abgeklärt. Selbst die Bemerkung, er empfinde einen tiefen Hass auf die Leute, die ihm "einen Teil meiner Lebenszeit unwiederbringlich geraubt haben", hat eher den Klang einer protokollarischen Feststellung denn eines unkontrollierten emotionalen Ausbruchs. Aber Trauer legt sich in die Stimme. Trommer zeigt auf sein weißes Haar. "Das kommt von damals, in sechs Wochen waren die weiß statt rotblond."

Zweieinhalb Jahre verbrachte Bernd Trommer an diesem Ort: ...

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