Ältester Christenbrief

KNA/dpa

Von KNA & dpa

Fr, 12. Juli 2019

Kultur

Uni Basel untersuchte Papyrus aus dem 3. Jahrhundert neu.

Wissenschaftler der Universität Basel haben nach eigenen Angaben den weltweit ältesten Brief eines Christen entdeckt. Der betreffende griechisch-ägyptische Papyrus sei schon seit 100 Jahren in der Handschriftensammlung der Universität. In neuen Untersuchungen habe er auf das Jahr 230 nach Christus datiert und dem mittelägyptischen Dorf Theadelphia zugeordnet werden können, erklärte die Hochschule am Donnerstag. Der Papyrus sei damit mindestens 40 Jahre älter als alle übrigen weltweit bekannten christlich-dokumentarischen Briefe.

In dem in alt-griechischer Sprache verfassten Brief schreibt ein Mann namens Arrianus seinem Bruder Paulus über alltägliche Familienangelegenheiten. Beide waren nach Erkenntnissen der Basler Altertumswissenschaftler junge gebildete Söhne einer lokalen Elite, Landbesitzer und Träger öffentlicher Ämter. Historikerin Sabine Huebner betonte: "Paulus ist ein zu dieser Zeit äußerst seltener Name, und wir dürfen daraus ableiten, dass die im Brief genannten Eltern bereits Christen waren und ihren Sohn schon um 200 nach Christus nach dem Apostel benannt hatten."

Zudem weise die Grußformel am Ende des Texts eindeutig auf den christlichen Hintergrund der Familie hin. Arrianus wünscht seinem Bruder in der letzten Briefzeile, dass es ihm wohlergehen werde "im Herrn". Dies sei eine nur unter Christen gebrauchte Formulierung gewesen, so Huebner. Auch in die alltäglichen Essensgewohnheiten gibt der Brief Einblicke. Arrianus schreibt seinem Bruder: "Aber bitte schick mir auch die Fischsoße, von der Du glaubst, dass sie gut ist." "Fischsoße war das Maggi der damaligen Zeit", sagt Huebner der Deutschen Presse-Agentur. Außerdem richtet er Grüße der Mutter aus.

Die Historiker interpretieren den Inhalt als Hinweis darauf, dass sich das alltägliche Leben der frühen Christen nicht sehr von ihrem nicht-christlichen Umfeld unterschied. Dies stehe im Gegensatz zu einer häufig in der Forschung vertretenen Auffassung, wonach die ersten Christen im Römischen Reich als weltabgewandte Sonderlinge gegolten hätten. Huebner hat die Basler Papyrus-Sammlung mit rund 65 Schriftstücken studiert und vor wenigen Tagen ein Buch über darin liegende Einblicke in die Welt der ersten Christen veröffentlicht.