Der sensible Feuerkopf

Johannes Adam

Von Johannes Adam

Fr, 14. Februar 2020

Klassik

Zweimal Beethoven: "Die Geschöpfe des Prometheus" und Sinfonie Nr. 7 – Gottfried von der Goltz leitete das Freiburger Barockorchester im Konzerthaus.

Vordenker, Erleuchter der Welt und des Menschen, denen er Feuer und Zivilisation brachte: Als solcher gilt Prometheus. Man wird Ludwig van Beethoven kaum zu nahe treten, wenn man behauptet, dass der Komponist in dieser Figur der griechischen Mythologie ein Stück weit auch sich selbst sah. Und so schuf er die erfolgreiche, 1801 in Wien uraufgeführte Ballettmusik "Die Geschöpfe des Prometheus", von der Choreographie und Libretto allerdings verschollen sind.

Dieser Musik widmete sich jetzt das Freiburger Barockorchester (FBO) mit höchster Sorgfalt bei seinem "Prometheus"-Abend im Freiburger Konzerthaus. Der kleingliedrige Einstünder zeigt den Komponisten als einen kreativen Experimentator, der von der Ouvertüre bis zum thematisch die "Eroica" antizipierenden Finale nachgerade alles berührt.

Ob der markigen, ungemein schroff wirkenden und die Bedeutung der Botschaft unterstreichenden Einleitungsakkorde wurde klar: Wir sind bei Beethoven. Und: Das Leben ist kein Zuckerschlecken. Gottfried von der Goltz, der das Orchester aufmerksam und umsichtig dirigierte, gab der Musik auf jeder der vielen Etappen Kontur: vom Sturm bis zur pastoralen Idylle – Wiener Klassik gleichsam als frühe Polystilistik. Immer wieder – es handelt sich schließlich um Ballettmusik – trat Tänzerisches zutage. Genauestens und mit großem Geschick widmeten sich die Mitglieder des bestens aufgestellten Barockorchesters nicht zuletzt den subtilen Aufgaben einer gepflegten Kammermusik: etwa bei den Zutaten von Harfe und Flöte, beim Wohllaut von Oboe und Klarinette. Bei dieser Musik mit programmatischem Hintergrund. Man vernahm Klänge, die Wärme verströmten. Dennoch fehlte es nicht an Dramatik.

Mit Geige vom Konzertmeisterpult aus steuerte Gottfried von der Goltz dann die Interpretation der siebten Sinfonie des Jubilars. Mit deren Aufführung das FBO nun seinen über Jahre währenden (und gewachsenen) eigenen Zyklus der Beethoven-Sinfonien eindrucksvoll abrundete. Mit der Prometheus-Musik steht Beethovens "Siebte" in doppeltem Zusammenhang: über den Napoleon-Hintergrund und das Tanz-Idiom. Da erklang das Finale nicht nur tatsächlich con brio, sondern wie ein orgiastischer Tanz: so schwungvoll, so wirbelnd, dass einem beim Zuhören schwindlig werden konnte...

Bei der Wiedergabe der A-Dur-Sinfonie bewies das diesmal stehend agierende FBO, dass seine Beethoven-Deutung in puncto Klangvolumen von einer herkömmlichen philharmonischen Version keine Welten entfernt ist. Und doch ist der weitestgehend vibratolose Klangbefund ein völlig anderer. Das Barockorchester kultivierte den Klang der Klassik.

Beethovens "Siebte" von 1811/12: Das ist Rhythmus! Die zupackend gebotene Musik hatte Biss. Und der stilisierte Trauermarsch Gewicht. Sehr schön geriet im zackig präsentierten dritten Satz das mehrfache Zurückspringen in den Scherzo-Modus. Eine – Stichwort Prometheus – feurige Auslegung mit stiebenden Funken. Vor allem beim polternden Kehraus.

Am Anfang dieser Sinfonie, zu Beginn der langen langsamen Einleitung: Da trat Beethoven so auf den Plan, wie man es beinah nur von ihm kennt – schroff (siehe oben!). Dazu unüberhörbar. Als Feuerkopf. Kein Wunder, hat er doch sehr viel zu sagen. Beim FBO erfuhr man es. Begeisterung im Saal.