Ein Abend mit starken Gefühlen

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 03. Dezember 2019

Klassik

Oberrheinisches Sinfonieorchester im Lörracher Burghof.

Tief eintauchen in den Schubert-Kosmos konnten die Zuhörer beim Adventskonzert des Oberrheinischen Sinfonieorchesters Lörrach im vollbesetzten Burghof. Es war eine schöne Geste des Orchesters unter Leitung von Stephan Malluschke, dass es dieses Schubert-Programm dem vor drei Jahren verstorbenen Orchestergründer Renatus Vogt widmete. Vogt, der das Orchester mehr als 50 Jahre lang dirigiert hatte, schätzte den unvergleichlichen Melodiker Franz Schubert sehr und führte dessen Werke oft auf. Dieser Tradition folgte nun, anlässlich des 65-jährigen Bestehens des Orchesters, Malluschke mit diesem bewegenden Schubert-Abend, der erfüllt war von Emotionen. Malluschke verstand es mit seinen glänzend aufspielenden Musikern, die Klang- und Gefühlswelt, die Melodienfülle, aber auch die tragischen Elemente beeindruckend auszuloten.

Aufhorchen ließ schon die Ouvertüre zur "Zauberharfe", die mit dunklen, gewichtigen Orchesterschlägen einsetzt und dann eine zauberische Musik voller melodischer Schönheit, duftiger Leichtigkeit, aber auch dramatisch gesteigerten und gestisch ausladenden Momenten entfaltet. Lebendig und farbig, vorzüglich in der Streicher- und Bläserkultur, spielte das Orchester diese Zauberharfen-Musik.

Höhepunkt im ersten Teil war Schuberts "Wanderer-Fantasie" in der Bearbeitung von Franz Liszt für Klavier und Orchester. In dem jungen Lörracher Pianisten Mathis Bereuter hatte man einen spieltechnisch brillanten Solisten, der sowohl in den Bravourpassagen wie auch in den lyrischen Parts für sich einnahm. Der 26-Jährige überzeugte mit klarer Anschlagskultur, differenziertem Spiel, frischem Zugriff. Feinsinnig, tonschön in den weichen Melodien spielte Bereuter die lyrisch-gesanglichen Passagen. Fabelhaft sicher, mit uneitler Virtuosität hatte er die fingerbrecherisch schweren Passagen im Griff. In Bereuters Spiel kam nicht nur das Effektgeladene wirkungssicher hervor, sondern auch das Lyrisch-Versonnene. Das Orchester entfaltete einen opulenten Klang von großer Farbigkeit und fand zu gut verwobenem Zusammenspiel mit dem Solisten bis hin zum mächtigen Schluss-Allegro. Für den großen Beifall bedankte sich Mathis Bereuter mit einer eigenen Fantasie im Stile Schuberts.

Ausschnitte aus der Bühnenmusik zum Schauspiel "Rosamunde" präsentierte das Orchester im zweiten Teil. Die Ballettmusik Nr. 1 erklang rhythmisch voller Schwung und Kraft, bewegt und klangschön in den Streichern und anmutig-zart in den Bläserfarben. Auch in zwei Zwischenaktmusiken zeigte das Orchester viel Klangsinn für die geheimnisvollen, feinen, schwelgerischen Klänge, aber auch für die mächtig aufgeladenen Passagen. Das Schicksalhafte, das Tragische klang sehr stark durch in der abschließend gespielten Sinfonie h-Moll, der "Unvollendeten". Dunkel und tiefgründig setzt sie in den Celli und Bässen ein, und immer wieder legen sich dunkel dräuende Momente, düstere Schatten über die melodische Idylle. Dirigent Malluschke lässt diese jähen Stimmungsumschwünge, diese heftigen Ausbrüche und aufwühlenden Passagen sehr plastisch in den Kontrasten spielen. Ganz aus dem romantischen Geist und Klangempfinden gestaltet Malluschke mit seinem Orchester diese Sinfonie als emotionale Schicksalsmusik. Die Zugabe, die dritte Zwischenaktmusik aus Rosamunde, mit ihrem besinnlichen, heiteren, lieblichen Charakter, war speziell dem Gedenken an Renatus Vogt gewidmet.