Ein Hochfest der Kantilene

Johannes Adam

Von Johannes Adam

Fr, 20. September 2019

Klassik

Schumann-Kompetenz: Christoph Prégardien (Tenor) und Christoph Schnackertz (Klavier) gaben einen Liederabend in Freiburg.

"Zart, heimlich" – so lautet die Vortragsanweisung bei Robert Schumanns "Mondnacht". Und genau auf diese Weise sang der Tenor Christoph Prégardien die wunderbare, original in E-Dur komponierte Preziose aus dem Eichendorff-Liederkreis jetzt im Freiburger Kaufhaussaal. So leicht, so schwebend und eben auch so zart. Hut ab vor einem Sänger, der sich die Leichtigkeit bis in seine reiferen Jahre hinein bewahrt hat. Die "Mondnacht"-Zugabe geriet zu einem Höhepunkt bei Prégardiens Auftritt im Rahmen von Hans Jörg Mammels verdienstvollem Projekt "LiederAben.de". Eines Abends, der fraglos ein großer war. Auch dort, wo die Tenorlyrik in Richtung Bariton tendierte.

Mit Abstand am meisten berührten die Schumann-Interpretationen. Etwa auch in der singulären Ballade "Belsazar" auf eine Heine-Vorlage. Über jenen babylonischen König, der den Gott der Juden verhöhnt und von seinem Personal liquidiert wird. Von Prégardiens überragender, ja idealer Schumann-Kompetenz kündete zuvor bereits die Wiedergabe der Lieder auf Texte des schwäbischen Dichters Justinus Kerner. Zwölf Lieder, eines schöner als das andere. Nachtwandlerisch sicher traf Prégardien Stimmung und Gehalt. Man erfuhr, wie reflektiert, kontrolliert und überhaupt wie feinfühlig dieser Sänger zu Werke geht. Entschlossenheit inklusive – so beim Wanderer-Topos. Oder in der kultivierten Dramatik bei "Lust der Sturmnacht". Prégardiens ganz große Kunst allerdings ist die der lyrischen Verinnerlichung. Und wenn dann noch ein entsprechendes Klavier-Nachspiel hinzukommt: Was will man mehr?

Apropos Klavier: An den Tasten bewies der 1984 geborene, Prégardien-erfahrene Christoph Schnackertz, dass es auch heute erstklassige Liedbegleiter gibt. Man erlebte einen technisch versierten Pianisten, der mitdenkt, der weiß, wo es geboten ist, dem Sänger den Vortritt zu lassen – oder dem Lied: In Singstimme und Klavier klang "Alte Laute" als Schlusswort der Kerner-Reihe wie buchstabiert.

Begonnen hatte das Rezital mit Raritäten des polnischen Romantikers Stanislaw Moniuszko und des jüngeren Franzosen Henri Duparc, von dessen Baudelaire-Adaption "L’invitation au voyage" das Reise-Motto des Abends geborgt war. Auch hier hüteten sich die Akteure vor jeder Überfrachtung. Ein Hochfest der Kantilene. Der Liedgigant Schumann aber war nicht zu übertreffen.

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