Eine schreckliche Wahrheit

Do, 22. März 2001

Kultur

Nicht nur Opfer, sondern auch Täter: Ein Buch über ein Juden-Pogrom von 1941 löst unter den Polen eine große Debatte aus.

Polen steht vor den Trümmern seines Geschichtsmythos. Innerhalb weniger Wochen ist das Selbstbild der Polen als Opfer der Geschichte, das Bild von ihrem heldenhaften Widerstand gegen die Nazis, von der Kollaboration, die es angeblich nie gegeben hat, in sich zusammengebrochen. Auslöser der wichtigsten Nachkriegsdebatte Polens ist das Buch "Sasiedzi" ("Nachbarn") des in New York lehrenden Soziologen und Historikers Jan Tomasz Gross.

Juli und August 1941: Nach dem Einmarsch der Deutschen in die Sowjetunion und die bislang von der Roten Armee besetzten Gebiete, kommt es in ganz Ostpolen zu zahlreichen Pogromen. In Jedwabne, einer Kleinstadt in der Nähe von Bialystok an der Grenze zu Litauen, ermorden christlichen Polen ihre jüdischen Nachbarn. Soweit heute bekannt, war es das größte Pogrom in Polen und wie es scheint auch das brutalste: Rund 1600 Kinder, Frauen und Männer wurden erschlagen, erstochen, zu Tode geprügelt und bei lebendigem Leib verbrannt. Deutsche Soldaten standen die ganze Zeit daneben und filmten.

Im vergangenen Jahr veröffentlichte der polnisch-amerikanische Historiker Jan Tomasz Gross sein schmales Buch "Sasiedzi" ("Nachbarn"), in dem die Ereignisse von Jedwabne geschildert werden. Es wurde zuerst in Polen ...

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