Einen griffigen Titel hätte man schon

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Fr, 20. September 2019

Theater

Vom Theater in Lörrach bis zum Theater in den Bergen: Überblick über die neue Spielzeit.

Auch wenn das Programm da und dort noch nicht endgültig feststeht, sicher ist: Freunde der Bühnenkunst werden auch in der neuen Saison auf ihre Kosten kommen, wie ein Blick auf die Theaterlandschaft im Kreis zeigt.

Die Saison beim Lörracher Freien Theater Tempus Fugit beginnt am 6. Oktober und steht unter dem Motto "Rückenwind". Sowohl Spieler als auch ihr Publikum sollen sich eine gehörige Portion davon mitnehmen. Auf ihre Art daran angelehnt ist auch eine Kooperation mit der Volkshochschule, in der sich die Fugitler auf eine thematische, biografische und künstlerische Recherche begeben, die das Thema 30 Jahre Mauerfall zum Anlass nimmt. Dabei wird nach Geschichten gesucht, die mit Mauerbau, Mauerfall oder der Überwindung von Grenzen und Hindernissen zu tun haben. Angesprochen sind alle, die einen persönlichen Bezug, etwa zum Thema Migration haben.

An Schulen wendet sich das Projekt "Politik: Mehr als Theater?", das die Lörracher gefördert von der Konrad-Adenauer-Stiftung im Rahmen des Programms "Demokratie stärken" anbieten. Von November an kann es auch außerhalb von Baden-Württemberg gebucht werden. Eröffnet wird die neue Saison vorher aber mit einer Neubearbeitung des 2013 schon einmal gezeigten Jugendstückstücks "Märchenherz". Die neue Großproduktion 2020 bearbeitet Hugo von Hoffmannsthals "Jedermann".

Mit Max Frischs "Biografie: Ein Spiel" hat die Spielbühne Schopfheim ihre Spielzeit 2019 bereits abgeschlossen. Neu ausgewählt wurde als nächste Produktion Ferdinand von Schirachs bereits verfilmtes Theaterstück "Terror", in dem ein fiktives Schwurgericht, zuvor aber das Publikum, über Schuld oder Nichtschuld eines Luftwaffenmajors zu bestimmen hat. Er hatte sich für den Abschuss eines entführten Passagierflugzeugs entschieden, um ein mit 70 000 Zuschauern besetztes Stadion zu retten.

"Wir hatten das schon letztes Jahr in unserer Wahl", erzählt Spielbühnen-Regisseur Wolfgang Künzel, "uns hat die Frage gereizt, wie entscheidet man als Mensch". Schließlich müsse jeder Einzelne immer wieder und oft sehr schnell Entscheidungen treffen, auch wenn sie üblicherweise nicht ganz so folgenschwer und moralisch mehr als zwiespältig seien. Außerdem füge es sich sehr gut, dass das Stück perfekt in den endlich wieder nutzbaren Museumskeller passe.

Seitdem sich das Häg-Ehrsberger "Theater in den Bergen" 2011 erstmals zu Wort gemeldet hat, bringt die zuletzt mit dem Landesamateurtheaterpreis ausgezeichnete Truppe jährlich eine Produktion zur Aufführung. Mit "Insekten?!" kommt diesmal wieder ein Eigengewächs von Regisseur Arnd Heuwinkel auf die offene Bühne. Hochaktuelles steht auf dem Programm und das Publikum soll trotz des sichtlich unernsten Ansatzes eine Portion Nachdenklichkeit mit nach Hause nehmen.

"Die Natur läuft komplett aus dem Ruder – Artensterben, Klimawandel und Fachkräftemangel in der Insektenwelt – Chaos wohin man schaut", heißt es in der Ankündigung, die gleichzeitig "R(h)ein-Chemie, den weltkleinsten Chemiekonzern seit der BASF-Bayer-LaRoche GmbH" aus der Taufe hebt und mit ihr einen, wie es heißt, Konzernchef im Größenwahn, der die Natur mithilfe eines speziellen Sprays auf den für seine Belange rechten Weg bringen will. Den Insekten geht es an den Kragen, die "chemische Lösung" droht den finalen Sieg davonzutragen.

Das Lörracher Theater Gut & Edel kehrt im November mit zwei weiteren Aufführungen des Dürrenmatt-Klassikers "Die Panne" auf die Bühne zurück. Infolge einer Autopanne gerät ein Vertreter bei der Suche um Nachtquartier darin in ein absurdes Spiel um eine zunächst fiktive Schuld, das ihn mehr und mehr an der eigenen Moral und Unschuld zweifeln lässt. Das Stück, das im Frühjahr im Nellie Nashorn zu sehen war, kommt jetzt noch einmal ins Tempus-Fugit-Theaterhaus.

Was darauf folgt, kann Gut & Edel-Chef Vaclav Spirit aber noch nicht sagen. Momentan ist er noch auf der Suche nach einem Stück, die Entscheidung fällt voraussichtlich im Oktober/November. Was dagegen schon feststeht, sind der Premierentermin am 7. Mai und als Ort erneut die Gut-&-Edel-Hausbühne im Nellie Nashorn. Diesmal ist die Zeit also dem Inhalt voraus. "Wir haben schon die Termine", lacht Spirit, "aber noch nicht das Stück". Immerhin kann das engagierte Amateurtheater 2020 schon auf sein 30-jähriges Bestehen zurückblicken.

Bis ins Jahr 1949 reicht dagegen die Geschichte der Volkskunstbühne Rheinfelden zurück, der es in puncto Inhalt mit Blick auf die neue Saison aber auch nicht besser geht. Nach der "Arsen und Spitzenhäubchen"-Aufführung in der Regie von Klaus Koska im Frühjahr, sind für den Herbst bisher nur Kleinigkeiten gesetzt, wie etwa ein Auftritt an der Rheinfelder Dreilandmesse auf dem Tutti-Kiesi-Areal im Oktober.

Weitgehend sicher ist immerhin, dass die Regisseurin 2020 Annarita Vintan heißen wird, von der in Kürze ein Vorschlag für das neue Stück zu erwarten sei, wie der Volkskunstbühnen-Vorsitzende Dietmar Fulde erklärt. "Gegebenenfalls werden wir aber auch unsere Gesangskunst bemühen", so Fulde, der sich auch eine musikalische Nummernrevue vorstellen könnte mit dem Oberthema Bekleidung. Einen Termin gibt es bei den Rheinfeldern noch nicht, mit "Jacke wie Hose" hätte man aber schon einen griffigen Titel.