Gepflegter Sound einer goldenen Ära

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Sa, 16. November 2019

Lörrach

Beim Konzert des Pasadena Roof Orchestra im Burghof Lörrach fühlte sich das Publikum wie im legendären Cotton Club in New York.

Nostalgisches Flair machte sich breit beim Auftritt des Pasadena Roof Orchestra im gut gefüllten Lörracher Burghof. Die elf Gentlemen, mit Fliege und Blume im Knopfloch, beamten ihre Zuhörer zurück in die 1920er und 1930er Jahre, in die Ära von Duke Ellington, Irving Berlin, Cole Porter oder Fred Astaire. Für Momente konnte sich das Publikum fühlen wie im legendären Cotton Club in New York.

Vor 50 Jahren gegründet, steht das Pasadena Roof Orchestra für kultivierten Sound und ein Repertoire, das sich dem frühen Swing, der Tanzmusik der 20er und 30er Jahre und Jazzklassikern widmet. Der musikalische Leiter und Sänger Duncan Galloway, der eloquent die Show moderierte, die exzellenten Bläser und die präzise aufgestellte Rhythmussektion ließen die unvergesslichen "Oldies" und Evergreens des frühen Jazz in geschmeidigem Klang wieder aufleben. Die in England beheimatete Big Band, deren Name von dem Stück "Home in Pasadena" inspiriert wurde, schmeichelte sich mit gepflegtem Sound wunderbar ins Ohr.

Voller Eleganz und Charme interpretierten die Musiker Cole Porters "Anything goes". Gefühlvoll gesungen und gespielt war der Titel "A nightingale sang in Berkeley Square", mit melodischem Schmelz in Galloways Stimme, butterweichen Bläserklängen und perlendem Pianospiel. Zum Mitwippen war der flotte Titel "Jeepers Creepers" und der spritzig und rhythmisch brillant klingende Hit "Puttin‘ on the Ritz" von Irving Berlin. Galloway, nobel im Frack, die glänzend aufgelegten Herren an Posaune, Trompete, Saxophon und Klarinette und ihre mit Schwung und feinem Rhythmusgefühl agierenden Kollegen an Piano, Drums, Kontrabass und Banjo bringen die maßgeschneiderten Arrangements stilvoll und authentisch rüber. In "Bel Ami" gibt Galloway den galanten Kavalier, der so viel Glück bei den Frauen hat, und das Orchester spielt dieses Lied von Theo Mackeben voller Leichtigkeit und Charme. Der Sänger macht in seiner Moderation gern mal humorige Anmerkungen, so etwa über den Song "If I had a talking picture of you" aus einer vergangenen Zeit ohne Facebook, Whatsapp und Skype.

Musikalisch war es eine goldene Ära, wie man an den vielen schönen Melodien im Programm des Orchesters hören konnte. Leichtfüßig, swingend, voller Esprit und Nonchalance erklang der Fred-Astaire-Song "Top Hat white tie", zu dem Duncan Galloway eine elegante Stepptanz-Einlage hinlegte – worauf die Musiker prompt Karten mit Benotung zücken. Ja, Humor haben sie auch...

Immer wieder kommen einzelne Musiker solistisch groß raus: etwa der virtuose Banjo-Spieler Tom Langham in einem Stück von 1925, Saxophonist Robert Fowler mit noblem Ton in "A Flower ist a lovesome thing" oder der hingebungsvoll den Kontrabass zupfende Dave Berry in einer weiteren Ellington-Nummer. In "Honeysuckle Rose" von Fats Waller langt Pianist Richard Busiakiewicz leichthändig in den schnellen Läufen in die Tasten. Und in "Drummin‘ Man" ließ Schlagzeuger Bernard Flegar die Stöcke tanzen. Im zweiten Set kehrten die Herren in weißen Jacketts auf die Bühne zurück, Sänger Galloway hatte sich im weißen Frack besonders nobel in Schale geworfen. In "High Society" glänzten die Bläser mit brillantem Sound, auch in Louis Armstrongs "Beau Koo Jack" zeigten sie sich in Jazzlaune. Die sanfte Stimme von Duncan Galloway ging in "Bei mir bist du schön" und dem wehmutsvollen "As time goes by" besonders schön ins Ohr.

Als "The Hotsy Totsy Gang" präsentiert sich eine kleine Besetzung mit Posaune, Trompete, Klarinette, Drum und Banjo in bester Spiellaune. Das Pasadena Roof Orchestra schwelgt geschmackvoll im Sound der goldenen Jazz- und Swing-Ära. Mit dem fetzigen, dynamisch zündenden "Tiger Rag" und zwei Zugaben verabschieden sich die Gentlemen-Jazzer von ihrem Publikum.