Ode an die Freude krönt das Saisonfinale

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Fr, 20. September 2019

Klassik

Klassikreihen in der Region rücken im Jubiläumsjahr Beethoven ins Rampenlicht / Die beginnende Saison bringt namhafte Klangkörper und so viele Orchester wie noch nie.

So viele Orchester waren nie wie in der Saison 2019/20 in den etablierten Klassikreihen der Region. Beim Überblick über die neue Spielzeit fällt nicht nur die Präsenz namhafter Klangkörper auf, sondern auch ein programmatischer Schwerpunkt. Beethovens 250. Geburtstag wird auf den Konzertpodien in Lörrach, Rheinfelden und Schopfheim groß gefeiert. Das Beethoven-Jahr 2020 rückt den Titanen der Klassik ins Scheinwerferlicht.
Im Burghof Lörrach ziehen sich Auftritte etablierter Orchester durch die gesamte Saison. Den Auftakt macht am 11. Oktober im Rahmen des Festivals Culturescapes das Kammerorchester Basel unter Leitung von Baptiste Lopez, das mit dem polnischen Pianisten Piotr Anderszewski zu Gast ist. Neben Klavierkonzerten von Mozart und Schumann werden Stücke von Heinz Holliger und Francis Poulenc erklingen: ein Abend, der auf Kontraste zwischen Klassik und Moderne setzt. Zwei Ensembles für Alte und Neue Musik von internationalem Format spannen am 3. Dezember zusammen: das Freiburger Barockconsort und das Ensemble Recherche widmen sich dem Thema Liebe in Stücken aus mehreren Jahrhunderten.

Fortgesetzt wird die seit einigen Jahren erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester Basel. Dieses kommt in der neuen Saison zwei Mal in den Burghof, beide Male in musikalisch-literarischen Programmen unter Leitung des Chefdirigenten Ivor Bolton mit erstklassigen Solisten und prominenten Sprechern. Am 6. Dezember ist Frank Peter Zimmermann Solist in Beethovens Violinkonzert op. 61. Außerdem führen die Basler Mendelssohns zauberischen "Sommernachtstraum" auf, zu dem die Schauspielerin Johanna Wokalek in zeitgenössischen Textintermezzi die Figuren aus dem Liebes- und Elfenspuk lebendig werden lässt.

Dem Jubilar Beethoven gewidmet ist das Programm des Basler Sinfonieorchesters am 6. Februar mit dem Pianisten Lars Vogt und dem Schauspieler Peter Simonischek als Sprecher. Die Ballettmusik "Die Geschöpfe des Prometheus" wird durch Texte des Basler Autors Alain Claude Sulzer literarisch beleuchtet: ein spannendes Konzept. Auch das Bundesjugendorchester unter Leitung von Lothar Zagrosek beschäftigt sich am 17. Januar mit Beethoven und setzt die Ouvertüre zu Fidelio und die fünfte Sinfonie kritisch reflektierend in Beziehung zu Gegenwartsmusik.

Die Sparte Kammermusik ist im Burghof ebenfalls auf Topniveau. So sind am 27. Oktober die Geigerin Antje Weithaas, die Cellistin Marie-Elisabeth Hecker und der Pianist Martin Helmchen im Trio mit Werken von Haydn, Schumann, Mendelssohn und Boulanger zu erleben. Auch in der Reihe Junges Podium, die am 17. November mit dem Pianisten Robert Neumann beginnt, lassen sich spannende Entdeckungen machen.
Drei Orchesterkonzerte und einen Kammermusikabend umfasst die sechste Saison der Meisterkonzerte Rheinfelden, die von der Südwestdeutschen Mozart-Gesellschaft und dem Kulturamt veranstaltet wird. Zum Profil der Reihe gehört, dass Meisterwerke der Klassik und Romantik gepflegt werden. So auch zum Auftakt am 22. September mit dem südkoreanischen Lux Klaviertrio, das Haydn, Mozart und Smetana spielt. Russische Literatur wie die Suite aus dem Ballett "Schwanensee" von Tschaikowsky, aber auch das zweite Klavierkonzert von Chopin sind beim erstmaligen Gastspiel der Russischen Nationalphilharmonie der Wolga aus Saratov am 17. November zu hören. Am Flügel wird Daria Kochetkowa aus St. Petersburg zu hören sein. Traditionell der Quotenbringer ist die Neujahrsgala der Jungen Philharmonie der Ukraine Lemberg, die am 5. Januar mit der Sopranistin Luydmyla Ostash von der Staatsoper Lemberg anreist und Walzer und Polkas von Johann Strauß und Operettenmelodien im Notengepäck hat. Das Orchester aus Lemberg sorgt zusammen mit dem Staatschor Lemberg unter Leitung des Gastdirigenten Georg Mais am 26. April auch für das krönende Finale mit Beethovens Neunter: "Freude schöner Götterfunken" mit 100 Mitwirkenden!
Ein großes Stammpublikum haben die Schlosskonzerte Beuggen, die durch die Qualität der Musiker im speziellen Ambiente des Rittersaals überzeugen. Am 27. Oktober heißt es "Barockmusik in Schloss Beuggen" mit Könnern ihres Fachs. Der Barockgeiger Andrés Gabetta, der auf einem Instrument von 1727 spielt, der Flötist Stéphane Rety vom Sinfonieorchester Basel, der Cembalist Sergei Tscherepanov und Cellist Denis Severin, zugleich künstlerischer Leiter der Schlosskonzerte, widmen sich französischer Barockmusik eines Couperin, Rameau und Leclair. Zum Saisonabschluss tritt am 24. November das Spyros Ensemble um den Cellisten Denis Severin, die Pianistin Tatiana Korsunskaya und den Geiger Bartek Niziol – alle Echo-Klassikpreisträger – mit einem Schubert-Programm auf. Das Forellenquintett passt besonders gut mit Blick auf den vorüber fließenden Rhein.
Eine feste Größe im Konzertkalender ist die Reihe "Klassik im Krafft-Areal" in der ehemaligen Schuhfabrik Krafft in Schopfheim-Fahrnau. In der einstigen Fabrikhalle geht es nach der Sommerpause am 12. Oktober mit einem Liederabend weiter. Die Mezzosopranistin Marie-Claude Chappuis, begleitet von Simon Bucher, singt Lieder von Mahler, Rückert, Brahms und Poulenc. Die intime Form des Kunstlieds wird in der "Tonhalle" regelmäßig gepflegt, vor allem aber steht klassisch-romantische Kammermusik im Zentrum. Aus Dresden ist erstmals das Fritz Busch-Quartett zu Gast, das am 16. November zusammen mit der Pianistin Andrea Kauten, der künstlerischen Leiterin der Reihe, das Klavierquintett c-Moll des ungarischen Komponisten Ernst von Dohnányi aufführt. Zum Abschluss des Konzertjahres gastiert zum wiederholten Mal das Südwestdeutsche Kammerorchester Pforzheim. Unter Leitung von Timo Handschuh führen die Streicher mit der Klaviersolistin Andrea Kauten das Klavierkonzert a-Moll von Clara Schumann, deren 200. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, und das erste Klavierkonzert von Beethoven in einer Fassung für Streichorchester auf. Außerdem erklingen Stücke von Anton von Webern und Engelbert Humperdinck.
Ein außergewöhnliches Projekt wagen die Kammerkonzerte Efringen-Kirchen zum Auftakt der Saison am 27. Oktober im Museum Alte Schule. Das Ensemble Tityre aus Hamburg kommt mit einem literarisch-musikalischen Programm, das sich mit britischen Komponistinnen der Musikgeschichte beschäftigt. In Texten und halbszenischen schauspielerischen Einlagen wird aus dem Leben der Komponistinnen erzählt. Das Podium junger Künstler ist am 2. Februar für das aufstrebende Alcina-Quartett reserviert. Die 15- bis 17-jährigen Streicher aus Grenzach-Wyhlen, Riehen und Basel, die in der Talentförderklasse der Musikakademie Basel studieren, haben bei Auftritten Furore gemacht mit ihrer staunenswerten spieltechnischen und gestalterischen Qualität.