Kino

"Toy Story 4": Die eigensinnigen Spielzeugfiguren sind wieder los

epd

Von epd

Mi, 14. August 2019 um 19:51 Uhr

Kino

Forky auf Sinnsuche: Der vierte Teil von "Toy Story: Alles hört auf kein Kommando" kommt etwas schwer in Fahrt, dann lohnt sich ein Besuch des Animationsfilms aber doch.

Forky setzt sich zusammen aus einer Plastikgaffel – das ist ein Besteck zwischen Gabel und Löffel –, einem verbogenen Pfeifenreiniger und einem zerbrochenen Eisstiel ohne Eis. Forsch zusammengeklebt, mit etwas Plastilin und zwei Äuglein verziert, ergibt das ein Figürchen, das durchaus als Spielzeug durchgehen kann, dessen Bestandteile aber halt einem Papierkorb entstammen.

Forky ist der Neuzugang in Bonnies Kinderzimmer, einem der Spielorte von "Toy Story 4". Das kleine Mädchen hat Forky selbst gebastelt und ist dementsprechend vernarrt in das Plasteteil –, und er stellt die anderen Spielzeuge, allen voran den verantwortungsbewussten Sheriff Woody, vor ziemliche Probleme. Denn Forkys Identität ist alles andere als gefestigt und jeder Mülleimer scheint ihm die vermisste Heimat.

Ehe man also noch alle Zubehörteile der Kartoffelköpfe gezählt hat, werden Woody und Forky in einem Trödelladen festgehalten, während Cowgirl Jessie und Space Ranger Buzz Lightyear versuchen, weiteres Übel zu verhindern. Mit der Ruhe auch in diversen anderen Kartons ist es vorbei.

Ein runder, wunderbar warmer Schluss

Dabei war die Spielzeugkiste am Ende von "Toy Story 3" (2010) so schön aufgeräumt gewesen: Andy hatte seine Spielzeuge an Bonnie weitergereicht und so bis auf Weiteres all die Gefahren gebannt, die ihnen von Dachböden und Flohmärkten und Spendenschachteln und Müllkippen drohten. Ein runder, wunderbar warmer Schluss der 1995 mit "Toy Story" ins Leben gerufenen Saga war gefunden, und aller guten Dinge waren drei.

Mittlerweile gehört die vom Pixar-Studio erfundene "Toy Story"-Kiste dem Disney-Konzern, der sein wirtschaftliches Heil seit einiger Zeit vornehmlich im Variieren und Wiederkäuen eigener Stoffe sucht. Ob es dem Hollywood-Unternehmen wohl gelingen wird, den viel geliebten Spielzeugkarren endgültig gegen die Wand zu fahren? Oder würden die eigensinnigen Spielzeuge einmal mehr den Sieg davontragen über Routine und Simplifizierung?

Was geht in Plüschtieren vor?

Tatsächlich werden in "Toy Story 4" – mit dem ebenso charmanten wie außerordentlich zutreffenden deutschen Untertitel "Alles hört auf kein Kommando" – sowohl diese als auch einige weitere Fragen umfassend und höchst unterhaltsam beantwortet. Beispielsweise: Was wird eigentlich aus einem Spielzeug, das verloren gegangen ist? Wie fühlt sich ein Spielzeug, das verschmäht wird? Mit welchen Problemen hat ein Spielzeug zu kämpfen, das gar keines ist, beziehungsweise einmal etwas anderes war? Was geht in den Plüschtieren vor, die in Jahrmarktsbuden feilgeboten werden?

Zugegeben, es dauert ein wenig, bis die Sache in Schwung kommt, und vor allem zu Beginn drängen sich die menschlichen Akteure etwas zu sehr in den Vordergrund. Dann wird Disney-typischer Familienkitsch aufgeführt, wobei jede Szene mit der niedlichen Bonnie von einer süßlich-schmalzigen Musiksoße begleitet wird. Geradezu hyperrealistisch fällt an manchen Stellen die Animation vor allem der Hintergründe aus, was einen seltsamen Kontrast herstellt zum insgesamt doch eher märchenhaften Charakter des Stoffes. Wenn aber die Geschichte Fahrt aufnimmt, wird alles gut. Bald hat nicht mehr nur Forky mit einer Identitätskrise zu kämpfen, bald steht generell die Möglichkeit einer Spielzeugexistenz ohne Kindbindung im Raum und mit ihr die Idee der Selbstbestimmung, gar von Freiheit. Und so nimmt das nächste abenteuerliche Kapitel des Bildungsromans der zarten Spielzeugseele von Sheriff Woody seinen Verlauf. Happy End? Vorläufig.

"Toy Story: Alles hört auf kein Kommando" Regie: Josh Cooley. Läuft flächendeckend. Ohne Altersbeschränkung.