Holocaust-Forscher

Yehuda Bauer über Antisemitismus, Kritik an Israel und Fremdenangst

Anja Reich

Von Anja Reich

Sa, 24. November 2018 um 11:11 Uhr

Deutschland

BZ-Plus Er ist einer der berühmtesten Holocaust-Forscher und er hat nach 60 Jahren Forschung mehr Fragen als Antworten. Yehuda Bauer spricht im Interview über neue und alte Fragen und mögliche Antworten.

Er wohne "im Altersheim, offiziell heißt es natürlich Betreutes Wohnen", mailt Yehuda Bauer, 92, einer der berühmtesten Holocaust-Forscher, als wir uns verabreden. Er schreibt immer gleich zurück, hat sein Smartphone zur Hand, redet schnell und läuft mit einem Tempo, das man ihm nicht zutraut, in seinem Jerusalemer Heim vom Lift zum Apartment. Kaffee oder Tee, fragt er, setzt Wasser auf, serviert Kuchen, und dann spricht er drei Stunden lang auf Deutsch, seiner Muttersprache – über seine Forschungen, Zweifel, über sein Leben.

BZ: Herr Bauer, Sie haben neulich gesagt, dass Sie nach mehr als 60 Jahren Holocaustforschung mehr Fragen als Antworten haben. Wie kann das sein?
Bauer: Der Holocaust hat mit so vielen verschiedenen Dingen zu tun: mit Nazismus und Antisemitismus, mit der Geschichte der Juden, der Entwicklung von Diktaturen und natürlich auch mit all den einzelnen Schicksalen. Opfer sind verschieden voneinander und auch Täter. Es ist klar, dass da immer neue Fragen aufkommen.

BZ: Nennen Sie ein Beispiel.
Bauer: Das Novemberpogrom oder – wie die Nazis sagten – die Reichskristallnacht hatte nicht nur, wie wir dachten, die Vertreibung der Juden als Ziel, auch die Vorbereitung des Krieges.

BZ: Wie sind Sie jetzt darauf gekommen?
Bauer: Es gibt ein Schlüsseldokument, wir kennen es seit 1945. Es ist nichts Neues, eine Anweisung von Hitler an Göring im August 1936. Da schreibt Hitler, und das Deutsch ist so fürchterlich, dass man ganz klar erkennt, dass nur er es gewesen sein kann, dass Deutschland den Krieg vorbereiten muss, denn sonst wird der Bolschewismus die Welt erobern und das Ziel des Bolschewismus ist, dass das internationale Judentum die Welt regiert. Das war nicht Propaganda, es war eine klare Anweisung von Nummer 1 an Nummer 2. Und auch der ...

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