139 Kilogramm Kokain sichergestellt

dpa

Von dpa

Di, 09. April 2019

Panorama

Jahresbilanz des Zolls zeigt, dass immer öfter in Postsendungen geschmuggelt wird – Dopingmittel, Medikamente, Plagiate und Drogen.

FRANKFURT/MAIN (dpa). Es gibt sie noch, die professionellen oder eher amateurhaften Schmuggler, die mit Drogen, Tabletten oder gefälschten Markenartikeln am Frankfurter Flughafen landen. Doch immer öfter werden die Zöllner bei Postsendungen fündig.

Der "Tatort Internet" stellt die Mitarbeiter des Zolls vor große Herausforderungen. "91 Prozent der Aufgriffe kamen aus dem Postzentrum", sagte Albrecht Vieth, Direktor des Hauptzollamts Frankfurt, am Montag bei der Vorstellung der Zoll-Bilanz 2018. Dabei seien viele Sendungen für den ausländischen Markt bestimmt. So entdeckten Zoll-Mitarbeiter im vergangenen Jahr ein "Darknet-Paket" mit mehr als tausend Pflastern, die mit dem Betäubungsmittel Fentanyl präpariert waren. "Das ist ein hochwirksames Mittel, hundert mal stärker als Morphin", betonte Vieth. Weitere Ermittlungen hätten zur Festnahme einer 21 Jahre alten Frau in Kanada geführt – so wie Verbrechen kennen auch Ermittlungen keine Grenzen.

Ganz besonders häufig lohnt sich der Einsatz im Postzentrum , wenn es um verbotene Dopingmittel, Medikamente oder Produktfälschungen geht. So wurden im vergangenen Jahr bei mehr als 19 000 Aufgriffen fast 1,5 Millionen Tabletten und Ampullen sichergestellt, meist im Postverkehr. Hinzu kamen Aufgriffe von insgesamt 117 000 Tabletten Dopingmitteln – ein "Sportler" wurde gar mit mehr als 1000 Anabolikatabletten erwischt.

"Es ist schlimm, dass ein günstiges Produkt, das man per Mausklick bestellt, für viele eine Alternative ist zum Produkt aus der Apotheke", kommentierte Vieth. Zumal nicht garantiert sei, dass es sich um echte oder unschädliche Medikamente handele. In mehr als 500 Fällen etwa hätten die Zöllner im vergangenen Jahr gefälschte Potenzmittel sichergestellt.

Doch auch wenn ein großer Teil der sichergestellten Schmuggelware im vergangenen Jahr in Postsendungen gefunden wurde: "Das bedeutet nicht, dass wir andere Kontrollen vernachlässigen", betonte Vieth. So stießen die Zöllner im vergangenen Jahr auf 83 Drogenkuriere, darunter 13 sogenannte "Schlucker", die das Rauschgift im Körper transportierten. Insgesamt wurden bei Kontrollen von Passagieren, Fracht und Post sieben Tonnen Drogen gefunden – wie im Vorjahr spielte die am Horn von Afrika und in Teilen des Nahen Ostens beliebte Kaudroge Khat mit 4 791 Kilogramm eine große Rolle.

Bemerkenswert war der Anstieg des sichergestellten Kokains – die Menge stieg von 94,3 Kilogramm im Jahr 2017 auf 139 Kilogramm im vergangenen Jahr. Darunter waren nach Angaben von Vieth auch zahlreiche "Einzeltäter", die versuchten, ein bis zwei Kilogramm Kokain einzuschmuggeln.

Häufig ist Schmuggelware, die in Frankfurt bei Kontrollen festgestellt wird, auf der "Durchreise" und der Frankfurter Flughafen als internationales Drehkreuz nur eine Zwischenstation. So war es etwa bei dem größten Fall der 2018 in Frankfurt aufgegriffenen "Schlucker": Ein 60 Jahre alter Mann aus Guatemala und sein 32 Jahre alter Sohn erreichten Frankfurt auf einem Flug aus Mexiko und wollten weiter nach Barcelona. Bei einer Überprüfung der beiden stellte sich heraus, dass der Vater ein Kilogramm Kokain geschluckt hatte, in Magen und Darm des Sohnes befanden sich Päckchen mit insgesamt 340 Gramm. Das sei der größte Einzelfund bei "Schluckern" am Frankfurter Flughafen im vergangenen Jahr gewesen.

Andere Schmuggler setzten auf raffinierte – wenn auch nicht immer erfolgreiche Tarnung. "Manche haben sich richtig Mühe gegeben", räumte Zollsprecherin Christine Straß ein. So wurden in zwei Baseballs, die aus Venezuela nach Pakistan geschickt wurden, 80 Gramm Kokain versteckt. Und auch speziell präparierte Schokokugeln, die statt süßer Füllung Rauschgift enthielten, zeugten von der Fantasie der Schmuggler.

Auch mehr als eine halbe Million Plagiate mit einem Warenwert von rund 25,7 Millionen Euro und mehr als 21 000 Verstöße gegen das Artenschutzgesetz wurden festgestellt. Pech hatten diejenigen, die sich bei chinesischen Online-Händlern elektrische Gitarren aus Palisander- oder Rosenholz bestellt hatten: Das ist seit 2017 durch das Artenschutzabkommen geschützt. "Da war häufig Unwissen im Spiel", so Vieth. "Aber Unwissenheit schützt nicht vor Strafe."