71-Jähriger muss zwölf Jahre in Haft

dpa

Von dpa

Di, 08. Oktober 2019

Panorama

Drei Bankfilialen überfallen und einen Mann angeschossen.

HAMBURG (dpa). "Keiner drückt den Alarm, sonst erschieße ich euch alle!" – Mit diesen Worten stürmt im Dezember 2011 ein maskierter Bankräuber in eine Hamburger Sparkasse. Mit seiner Pistole bedroht er die Angestellten und fordert Geld. Bei einem weiteren Überfall 2017 schießt der Räuber tatsächlich auf einen Bankangestellten. Damit habe er seiner Drohung Nachdruck verleihen wollen, stellt die Vorsitzende Richterin Birgit Woitas am Montag fest und verurteilt den 71-Jährigen zu zwölfeinhalb Jahren Haft.

Die Strafkammer am Hamburger Landgericht wertet den Schuss auf den Angestellten als versuchten Mord, die drei Überfälle, bei denen er rund 25 000 Euro erbeutete, als schwere räuberische Erpressung. Die Strafe: Zwölfeinhalb Jahre Gefängnis mit Sicherungsverwahrung. Der rüstige Senior hat sich zu den Überfällen bekannt, nur den Tötungsvorsatz bestritten. Noch während der Urteilsverkündung fällt er der Richterin ins Wort, um seine Revision anzukündigen. Er fühlt sich ungerecht behandelt.

Laut Richterin hat der Angeklagte seine eigene Moral. Auch von Reue habe das Gericht nichts gehört, nur eine Mitleidsbekundung für einen der unter schweren psychischen Folgen leidenden Bankangestellten, so Woitas. Eine Zeugin ging er dagegen hart an. Die Frau habe vor Gericht unter Tränen geschildert, wie schrecklich für sie der Überfall gewesen sei. Kurz vorher hatte sie sich damals von ihrem Mann getrennt. Der Verteidiger habe seinem Mandanten signalisiert, sich zu entschuldigen, doch dieser habe erwidert: Wenn sie wegen der Trennung so stark betroffen gewesen sei, dann sei sie selber schuld.

Wie weit der Räuber zu gehen bereit war, zeigt der Schuss auf den Angestellten am 12. Januar 2017. Er habe sich von dem 45-Jährigen provoziert gefühlt, weil dieser angeblich zu langsam das Geld herausgab. Der Schuss hat den Mann in den Unterbauch getroffen. Nur durch viel Glück sei er dabei nicht ums Leben gekommen. Der Angeklagte habe sich vom Sturz des Verletzten nicht irritieren lassen und flüchtete mit seiner Beute.

Die Strafkammer bescheinigt dem 71-Jährigen eine schwere Persönlichkeitsstörung. Er halte sich wegen seiner teils berechtigten Beschwerden bei früheren Gefängnisaufenthalten für den "Justizfeind Nr. 1". Aufgrund seiner Uneinsichtigkeit sei er weiter gefährlich. Darum habe das Gericht die Sicherungsverwahrung angeordnet. Der Angeklagte nimmt das Urteil mit einem abfälligen Gesichtsausdruck zur Kenntnis. Nur mit scharfen Ermahnungen kann ihn die Richterin davon abhalten, dazwischen zu reden. Für ihn ist klar: Er hat schon vor den höchsten deutschen Gerichten Erfolge errungen. Aufgeben wird er seinen Kampf gegen die Justiz auch jetzt nicht. Und brüstet sich mit Blick auf seine Monologe an den Verhandlungstagen: "Im Übrigen habe ich den Rekord im letzten Wort!"