88-mal versuchter Mord

dpa

Von dpa

Mi, 13. November 2019

Panorama

Anklage wegen Stromschlägen.

MÜNCHEN (dpa). Ein aufsehenerregender Prozess hat am Dienstag am Landgericht München II begonnen. Ein 30-jähriger Mann aus dem Raum Würzburg ist wegen versuchten Mordes an 88 Frauen und Mädchen angeklagt. Er soll sich als Arzt ausgegeben und behauptet haben, wissenschaftliche Studien zur Schmerztherapie durchzuführen. Per Videochat brachte er, so die Anklage, seine Opfer dazu, sich selbst lebensgefährliche Stromschläge zuzuführen. Die Mädchen und jungen Frauen jagten sich bis zu 230 Volt durch den Körper. Sie schnitten Stromkabel ab und hielten sie an ihre Füße, klebten sich Elektroden an die Schläfe, fassten in Steckdosen oder an Elektrozäune.

Der Mann soll dafür Geld geboten haben, zwischen 200 und 3000 Euro. In manchen Fällen sollen sogar die Eltern der Mädchen geholfen haben. Ein Vater, so heißt es in der Anklage, versetzte seiner Tochter mehrfach Stromschläge mit einem Elektroschockgerät.

Die Staatsanwaltschaft spricht von einem "ungewöhnlichen Fall". Das Gericht schloss die Öffentlichkeit für Teile des Prozesses aus, weil es um das "Sexualleben" des Angeklagten und "intime Wünsche" gehe, so der Vorsitzende Richter. Die Anklage gehe von der "Befriedigung des Geschlechtstriebes" als Mordmerkmal aus und von einer "fetischistischen Komponente" im Tatmotiv. Laut Anklage soll es den Angeklagten sexuell erregt haben, wenn eine Frau durch einen Stromschlag Schmerzen erleidet.

Laut einem Bericht der Würzburger Main-Post geht die Verteidigung dagegen davon aus, dass der Angeklagte psychisch krank ist. Die Zeitung zitiert den Verteidiger Klaus Spiegel: Es habe sich um den "Versuch eines Kranken gehandelt, mit der Umwelt zu kommunizieren".