Angehörige der Opfer gehen leer aus

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Von dpa

Sa, 20. Juli 2019

Panorama

25 Jahre nach dem Untergang der Fähre Estonia hat ein Gericht über eine Entschädigung entschieden.

NANTERRE (dpa). Rund 25 Jahre nach dem Untergang der Ostseefähre Estonia sind mehr als 1000 Überlebende und Opferangehörige mit ihrer Forderung nach Entschädigung vor Gericht gescheitert. Die Kläger hätten kein grobes oder vorsätzliches Fehlverhalten der französischen Prüfungsstelle Bureau Veritas und der Papenburger Schiffsbauwerft nachweisen können, begründete das französische Gericht seine Entscheidung.

Der Untergang der Estonia gilt als das größte Schiffsunglück der europäischen Nachkriegsgeschichte. Die Fähre war Anfang der 1980er Jahre bei der Meyer Werft in Papenburg vom Stapel gelaufen. Das Bureau Veritas hatte sie als seetüchtig eingestuft – daher fand der Zivilprozess in Frankreich statt. Bei dem Schiffsunglück kamen 852 Menschen ums Leben. Die Ostseefähre mit 989 Menschen an Bord war in der Nacht zum 28. September 1994 während der Überfahrt von Tallinn nach Stockholm bei stürmischer See vor der Südküste Finnlands gesunken.

Die Schuldfrage wurde nie endgültig geklärt. Der Prozess um Entschädigungen zog sich über Jahrzehnte durch die Instanzen. Die Kläger hatten bereits Mitte der 1990er Jahre Klage eingereicht und forderten nun mehr als 40 Millionen Euro an Entschädigungen.

Über die Ursache der Tragödie wird bis heute spekuliert. Die Stockholmer Staatsanwaltschaft hatte 1998 alle Ermittlungen zur Klärung der Schuldfrage ergebnislos eingestellt. Unstrittig ist nach heutigem Stand, dass die Bugklappe des Schiffs sich auf offener See öffnete und abriss. Unmengen von Wasser strömten schnell und ungehindert ins Autodeck.

Das Wrack der Estonia liegt bis heute auf dem Grund der Ostsee, das Schiff wurde nie gehoben. In den Jahren nach der Tragödie gab es ein Hickhack diverser Untersuchungskommissionen. Experten aus den Ländern Estland, Finnland und Schweden kamen 1997 zu dem Ergebnis, dass offensichtlich ein Konstruktionsfehler an der Bugklappe vorlag – die Fähre sei nicht für die einwirkenden Kräfte ausgelegt gewesen.