Deutsche Familie kommt auf Mallorca um

Martin Dahms

Von Martin Dahms

Di, 27. August 2019

Panorama

Nach einem Zusammenstoß eines Helikopters und eines Kleinflugzeugs wird nun ermittelt.

MADRID. Am Sonntag sind bei einer Tragödie auf Mallorca sieben Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen eine bekannte bayerische Unternehmerfamilie. Ein Helikopter und ein Kleinflugzeug sind bei Inca zusammengestoßen. Über die getötete Familie wird in der Mallorquiner Presse ausführlich berichtet: August Inselkammer, der in Holzkirchen bei München eine Holzhaus-Firma betreibt, seine Ehefrau und ihre beiden minderjährigen Kinder.

Noch gibt es keine offizielle Erklärung für das Unglück, noch wird ermittelt. "Sie haben sehr großes Pech gehabt", sagte der Präsident des Luftfahrtclubs von Binissalem, Biel Gomila, der Mallorquiner Zeitung Última Hora. "Am wahrscheinlichsten ist, dass sie sich nicht gesehen haben – was sehr seltsam ist."

Sehr beliebt sei die deutsche Familie auf der Insel gewesen, auf der sie seit Jahren immer wieder ihren Urlaub verbrachte, heißt es in der Presse. Um den 43. Geburtstag des Vaters zu feiern, wollten sie am Sonntag im Hubschrauber über die Insel fliegen, um danach mit Freunden im Golfclub Andratx im Südwesten Mallorcas zu Abend zu essen. Gegen Mittag flogen vom Flugplatz Son Bonet bei Palma zwei Hubschrauber nach Manacor im Südosten der Insel, um dort die Inselkammers und die befreundete Familie abzuholen. Einer der beiden Hubschrauber erwies sich als zu klein für eine ganze Familie, weswegen sich die Freunde im Auto auf den Weg machten.

Die Inselkammers aber bestiegen den anderen Hubschrauber, der von einem erfahrenen italienischen Piloten gesteuert wurde. Er nahm Kurs gen Nordwesten, die Familie sollte Mallorca einmal von oben erleben. Um kurz nach halb 2 stieß er bei Inca, in der Inselmitte, mit einem Leichtflugzeug zusammen. Anwohner, die das Unglück miterlebten, erzählten der Zeitung El País, dass Hubschrauber und Flugzeug beinahe frontal aufeinander zugeflogen seien. Nach diesen Berichten berührten sich ein Rotorblatt des Hubschraubers und ein Flügel des Flugzeugs, beide kamen ins Trudeln und gerieten in Brand. Keiner der Insassen überlebte. Auf dem Boden kam niemand zu Schaden.

Menschen kamen aus Nachbarhäusern mit Wasserschläuchen, um die Flammen zu löschen. Für die Opfer allerdings konnte niemand mehr etwas tun. Das Leichtflugzeug war nur wenige Minuten vor dem Unglück vom Flugplatz Binissalem gestartet, keine zehn Kilometer vom Ort des Zusammenstoßes entfernt. Auch hier saß ein erfahrener, spanischer Pilot im Cockpit, begleitet von einem ebenfalls spanischen Freund.

Die Regionalpräsidentin der Balearen, Francina Armengol, ordnete drei Tage offizielle Trauer für die Urlaubsinseln an, die von schweren Luftfahrtunglücken bisher verschont geblieben sind. Der Sekretär des Spanischen Vereins der Leichtflugzeugpiloten (AEPAL), Antonio Pinedo, erklärte in El País, dass diese Flugzeuge mit keinem Tower in Verbindung stehen und dass es zu den Hauptaufgaben der Piloten gehöre, "das Sichtfeld zu kontrollieren". Dass ein Unfall wie der auf Mallorca geschehe, sei aber von "statistisch kleiner" Wahrscheinlichkeit.