Epsteins Spuren führen nach Paris

Stefan Brändle und dpa

Von Stefan Brändle & dpa

Mi, 14. August 2019

Panorama

Dubiose Kontakte in die französische Modewelt / US-Bundespolizei ermittelt auch auf der Privatinsel des Milliardärs.

NEW YORK/PARIS.   Bei Untersuchungen zum Tod von Jeffrey Epstein in einer New Yorker Gefängniszelle hat die US-Bundespolizei nach Medienberichten das Anwesen des Unternehmers auf den Amerikanischen Jungferninseln durchsucht. Wie der TV-Sender "NBC" und andere Medien am Montagabend berichteten, stellten die Beamten auf Epsteins Privatinsel Ermittlungen an. Unterdessen tauchten neue Hinweise auf Unregelmäßigkeiten bei Epsteins Überwachung auf.

Der in der US-Elite bestens vernetzte Geschäftsmann Epstein, der zeitweise auch Kontakte zum heutigen Präsidenten Donald Trump, zu Ex-Präsident Bill Clinton und zu Prinz Andrew aus Großbritannien pflegte, starb am Wochenende in einem New Yorker Gefängnis. Er soll sich dort umgebracht haben. US-Justizminister William Barr beklagte "schwere Unregelmäßigkeiten" in der Haftanstalt. Am Dienstag sagte eine Sprecherin des Ministeriums, dass der Direktor der Haftanstalt auf Barrs Veranlassung während der laufenden Untersuchungen versetzt werde.

Zudem wurden die beiden Gefängniswachen, die mit der Aufsicht Epsteins in dessen Todesnacht betraut waren, beurlaubt. Die New York Times hatte über Fehler berichtet: So sollen die Wachen in der Nacht zum Samstag stundenlang nicht nach Epstein geschaut haben, obwohl sie dies alle 30 Minuten hätten tun müssen. Auch habe nur einer der beiden die notwendige Ausbildung als "vollwertiger Justizvollzugsbeamter" gehabt.

Epstein war von der Staatsanwaltschaft in New York vorgeworfen worden, Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Der 66 Jahre alte Geschäftsmann habe zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut, hieß es in der Anklageschrift. Einige Mädchen seien erst 14 Jahre alt gewesen und mit großen Summen Bargeld angelockt und dazu verleitet worden, weitere Mädchen heranzuschaffen.

Der Justizausschuss des US-Kongresses verlangte die Beantwortung drängender Fragen. Die führenden Mitglieder schrieben am Montag an die für Bundesgefängnisse zuständige Behörde und verlangten Aufklärung. Aufgelistet sind 23 Fragen – unter anderem zum allgemeinen Umgang mit psychisch instabilen Insassen in der betroffenen Haftanstalt, aber auch zu den genauen Abläufen in Epsteins Fall. Der Ausschussvorsitzende, der Demokrat Jerry Nadler, und der führende Republikaner in dem Gremium, Doug Collins, beklagten, der Fall offenbare schwere Versäumnisse beim Umgang mit Häftlingen.

Einige Demokraten-Politiker, darunter die Präsidentschaftsbewerber Cory Booker und Beto O’Rourke, kritisierten den Umgang von Präsident Trump mit dem Fall. Dieser hatte am Samstag auf Twitter eine Verschwörungstheorie verbreitet, die Bill Clinton in die Nähe von Epsteins Tod rückt und mit Pädophilie-Vorwürfen in Verbindung bringt. Booker bezeichnete das Vorgehen Trumps als "gefährlich". Trump sagte am Dienstag, es habe sich um den Tweet eines "hoch angesehenen konservativen Experten" gehandelt. Auf die Frage, ob er wirklich glaube, dass die Clintons in Epsteins Tod involviert seien, sagte er: "Ich habe keine Ahnung."

Frankreichs Staatssekretärin Marlène Schiappa und ihr Ministerkollege Adrien Taquet drängen derweil die französische Justiz, auch Ermittlungen in der Affäre zu starten. "Der Tod von Herr Epstein darf die Opfer nicht um die Gerechtigkeit bringen, auf die sie Anspruch haben", meinte Schiappa. Warum gerade Paris in der Epstein-Affäre aktiv werden soll, deutete Schiappa nur an: US-Ermittlungen hätten "Bezüge zu Frankreich" ans Tageslicht gebracht. Pariser Medien nennen auch Namen, etwa den des Modelagenten Jean-Luc Brunel, der in der Modebranche eine wichtige Rolle spielt. Das australische Ex-Mannequin Zoë Brock hatte 2017 schriftlich behauptet, Brunel habe sie in den neunziger Jahren noch als Minderjährige unter Drogen gesetzt und versucht, mit ihr Sexualverkehr zu haben. Als enger Freund Epsteins habe er diesem mehrere Mädchen im Alter von zwölf bis 24 Jahren in die USA vermittelt.

Brunel hatte die Vorwürfe schon beim ersten Epstein-Prozess 2015 "kategorisch" bestritten und erklärt, er habe "weder direkt noch indirekt an den Herrn Jeffrey Epstein zur Last gelegten Handlungen teilgenommen". Epsteins Hauptanklägerin Virginia Roberts Giuffre hatte 2016 nicht nur Einzelpersonen belastet, sondern auch erklärt, Brunel scheine "über ein Arrangement mit der amerikanischen Regierung verfügt zu haben", um für die Mädchen Reisedokumente zu erhalten.