Hagelschlag

Unwetter im Raum Müllheim – viele Winzer kommen mit blauem Auge davon

Volker Münch

Von Volker Münch

Mo, 19. August 2019 um 07:03 Uhr

Südwest

In Teilen des Markgräflerlandes hat ein Unwetter schwere Verluste in den Reben verursacht. Auch Autos wurden beschädigt. Doch die enorm großen Hagelkörner gingen nur lokal begrenzt nieder.

Aktualisiert um 13.50 Uhr

Für viele Winzer werden nun die Folgen des heftigen Gewitters am Sonntagabend deutlich: Hagelkörner mit einem Durchmesser von teilweise mehr als fünf Zentimetern zerschlugen in wenigen Minuten einen Teil der künftigen Traubenernte.

Der Hagelschlag beschrieb einen Korridor zwischen der Müllheimer Lage Reggenhag über dem Römerberg oberhalb von Niederweiler und Hügelheim. Die größten Schäden richtete das Unwetter im Bereich Britzingen und Dattingen an. Im Bereich Laufen ebbte dann der Hagelschlag ab. Schäden gab es auch an Gebäuden und Autos.

Es war kurz vor 21 Uhr, als das Unwetter über die Region um Müllheim tobte – und vor allen Dingen mit Hagelkörnern von enormer Größe Unheil über den Landstrich brachte. Nur wenige Minuten brauchte es, um den wegen der zu erwartenden Traubenernte optimistisch gestimmten Winzern Tränen abzuringen. In der Nacht konnte der Gesamtschaden noch gar nicht umfassend erhoben werden. Und auch am Montagvormittag gab es nur erste Schätzungen, die zumindest die Dimension verdeutlichten. Fest steht, dass die Gewitterfront von Frankreich kommend besonders über Müllheim, im Weilertal, in den Rebanlagen um Britzingen und Buggingen wütete und die reifenden Trauben von den Rebstöcken abschlug oder sie beschädigte. Ein Britzinger Winzer berichtete, er gehe von einem Verlust von mindestens 80 Prozent aus. Von golfballgroßen Hagelkörnern, die großen Schaden anrichteten, sprach eine Mitarbeiterin der Winzergenossenschaft Britzingen. Das scheint aber nicht für alle Lagen in Britzingen und Dattingen zu stimmen. "Flächendeckend ist wohl mit etwa 20 bis 30 Prozent Ausfall zu rechnen", sagt Thomas Behringer vom gleichnamigen Britzinger Weingut. Der größte Schaden sei am Laubband entstanden. Behringer will allerdings nicht ausschließen, dass je nach Zeilenstand auch ein deutlich höherer Schaden entstanden sein könnte.

Der Schaden fällt sehr unterschiedlich aus

"Wir sind in unseren Hauptlagen mit einem blauen Auge davon gekommen", gab der Geschäftsführer des Winzerkellers Auggener Schäf, Thomas Basler am Montagvormittag eine erste Einschätzung ab. Deutlich mehr hat es die Laufener Weinlagen des Weinkellers Altenberg erwischt. Hier schätzt Basler den Ausfall auf etwa 20 bis 30 Prozent.

"Es ist wahnsinnig unterschiedlich", sagte Obstbauer und Winzer Günther Rüdlin aus Auggen. In Richtung Müllheim nehmen seiner Beobachtung nach die Schäden zu, in Richtung Süden werde es deutlich besser, sagte er. Die nördlich liegende Lage Reggenhag hat es dafür umso heftiger getroffen. "Wir gehen von Schäden bis zu 60 Prozent aus", sagte Hans Engler vom gleichnamigen Müllheimer Weingut. Berücksichtigt sei dabei auch ein weiteres Hagelereignis, das sich im Frühsommer ereignet hatte. Mit ähnlich großen Schäden seien auch die Lagen Römerberg oberhalb von Niederweiler und auch die Lagen bei Hügelheim behaftet. Beeindruckt war der Seniorchef von der Größe der Hagelkörner. "Wir sind sehr betroffen, haben aber das Glück, dass unsere Rebanlagen versichert sind", sagte Engler.

Mit Schäden in einer Größenordnung von 30 bis 40 Prozent rechnet der Geschäftsführer der Hügelheimer Winzergenossenschaft "Wein & Hof", Thomas Benz. In seiner Schätzung seien auch die beiden vorausgegangenen Hagelereignisse der vergangenen Monate berücksichtig, erklärte er. Mit Schäden rechnen auch die Winzer und Obstbauern in Buggingen, wie Helmut Noll vom gleichnamigen Betrieb in Seefelden berichtete. Eine erste Schätzung zur Schadenshöhe steht dort allerdings noch aus. In Laufen rechnet Weingutsbesitzer Rainer Schlumberger nach einer ersten Schätzung mit Schäden von bis zu 30 Prozent. Nicht berücksichtigt seien die Obstplantagen, ergänzte Stefanie Schlumberger. Sie befürchten, dass die Ernte von Tafelzwetschgen ausfallen könnte. "Genaueres kann man erst in den nächsten Tagen sagen", berichtete sie weiter.

Dachziegel, Oberlichter und Autos beschädigt

Der Hagelschaden beeinträchtigte nicht nur die Reben, sondern wirkt sich auch auf Gebäude, Autos und Bäume aus, die durch den Hagelschlag Blätter und ganze Äste verloren. Am Montagvormittag waren zahlreiche Hausbesitzer unterwegs, um den "grünen Teppich" mit Besen und Schaufeln zu beseitigen. Wie ein Trommelfeuer waren die Hagelkörner mit hoher Geschwindigkeit auf Autos und Hausdächer niedergeprasselt. Für kurze Zeit schlugen sie wegen der Sturmböen sogar quer auf Rollläden, Jalousien und Fenster ein. An manchen Hausdächern wurden Dachziegel gelockert oder komplett zerschlagen. Dabei entstand hoher Schaden. Eine genaue Höhe des Schadens lässt sich erst nach einer eingehenden Schadensaufnahme beziffern.

Zahlreiche Autos weisen Einschläge auf, an einzelnen Fahrzeugen zerbarsten sogar Scheiben durch die Hagelkörner, die wie Geschosse auf den Autos einschlugen. Dabei gab es nicht nur zahlreiche Dellen im Blech, an manchen Autos wurden sogar die Autoscheiben zertrümmert. Auch die Polizei war nicht vor Hagelschäden an ihren Dienstfahrzeugen gefeit. Die Müllheimer Feuerwehr wurde in einen Industriebetrieb gerufen, wo mehrere Oberlichter in den Produktionshallen zerschlagen wurden und Wasserschäden an den teuren Maschinen drohten. Um die beschädigten Dachfenster kümmerte sich am Ende eine Müllheimer Dachdeckerfirma.

Die Feuerwehr Neuenburg wurde zu zwei umgestürzten Bäumen im Neuenburger Ortsteil Grißheim gerufen, einer davon lag auf der L134. Ansonsten blieb es in der Region laut dem stellvertretenden Kreisbrandmeister Andreas Grozinger relativ ruhig, große Wassermengen blieben aus. Die Führungsgruppe Markgräflerland, die bei Flächenereignissen wie größeren Unwettern alarmiert wird, war nicht im Einsatz.

Auch in den Landkreisen Lörrach und Waldshut gab es viel Arbeit für die Feuerwehren. Die gute Nachricht ist, dass dabei niemand verletzt wurde – allerdings hatten es die Feuerwehren mit zahlreichen umgestürzten Bäume und überfluteten Straßen zu tun.

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