Nach dem GAU

Japan: Wie geht es den Flüchtlingen von Fukushima?

Angela Köhler

Von Angela Köhler

Mi, 15. Juni 2011 um 00:08 Uhr

Panorama

Tausende Fukushima-Flüchtlinge drängen sich in Japans Turnhallen – und hoffen auf eine Rückkehr, die sie wahrscheinlich nie erleben werden. Eine Reportage von Angela Köhler.

Die alte Frau weint. Schluchzend wiederholt sie immer nur diesen einen Satz: "Ich möchte zu Hause sterben, nicht hier." Die anderen Flüchtlinge im Evakuierungszentrum Shirakawa kennen weder den Namen noch die Herkunft ihrer greisen Nachbarin. Sie wissen nur, dass sie alle das gleiche Unglück, das gleiche Erdbeben und die gleiche Atomkatastrophe, in diese Turnhalle verschlagen hat. An einen Ort, an dem sich die 97-Jährige, wie ihren monotonen Klagen hinter den dünnen Pappwänden zu entnehmen ist, nur noch eines wünscht: Ihm sobald wie möglich zu entrinnen, um wenigstens nicht in dieser Halle zu sterben.

Eiko Tamura kann die alte Frau verstehen. Auch sie träumt von ihrer verlorenen Heimat: "Nach den Explosionen im Atomkraftwerk wollten wir alle nur schnell weg aus dieser verfluchten Gegend", seufzt Frau Tamura. "Aber jetzt haben wir das dringende Bedürfnis, endlich wieder nach Hause zurückzukehren – egal wie es dort aussieht", gestand sie japanischen Reportern.

Am 8. Mai musste die 62-Jährige mit Mann, Sohn und Schwiegertochter sowie den beiden Enkeln die Heimatstadt Odaka verlassen. Zwei Monate lang hatte sie bis dahin knapp 20 Kilometer Luftlinie vom havarierten Atomkraftwerk Fukushima entfernt in ihrem zweistöckigen Holzhaus ausgeharrt. Zunächst wohnte sie damit noch am Rande der Evakuierungszone, deren Grenze die Regierung wie mit einem Zirkel im Radius von 20 Kilometern um die Unglücksreaktoren gezogen hatte. Als die Regierung die Zone ausweitete, stieg auch Eiko Tamura auf einen Militärlaster Richtung ungewisse Zukunft, denn "einem Befehl der Obrigkeit kann man nicht ...

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