Mutter verliert Sorgerecht nach Festivalbesuch

Michael Wrase

Von Michael Wrase

Mo, 19. August 2019

Panorama

Urteil eines saudischen Gerichts.

LIMASSOL (wra). Weil sie am "Burning Man"-Festival im US-Bundesstaat Nevada teilnahm, hat ein saudisches Scharia-Gericht der US-Amerikanerin Bethany Vierra das Sorgerecht für ihre vierjährige Tochter Zaina entzogen. Die mehrtägige Veranstaltung, auf der eine überdimensionale Holzfigur in Brand gesetzt wird, gilt als eines der schrillsten und kreativsten Kunst- und Musikfestivals der Welt. Der saudische Richter stufte es dagegen als "abartig" ein, weil "kostümierte Menschen die ganze Nacht wach bleiben, Alkohol trinken und Drogen nehmen".

"Wir müssen dafür sorgen, dass Kinder wie Zaina nicht solchen schädlichen Traditionen ausgesetzt sind", rechtfertigte Richter Abdul-Ellah al-Tuwaijri seine Entscheidung. Die Mutter, der auch Fotos im Bikini zur Last gelegt wurden, kenne sich nicht mit dem Islam aus und lebe weiterhin nach ihren Gepflogenheiten. Daher solle sich die saudische Schwiegermutter um das kleine Mädchen kümmern.

Bethany Vierra war 2011 als Universitätsdozentin nach Saudi-Arabien gegangen und heiratete einen saudischen Geschäftsmann, mit dem sie vier Jahre später ihre Tochter bekam. 2017 reichte sie die Scheidung ein.

Bis zum gestrigen Sonntag hatte Vierra Zeit, das Urteil anzufechten. Lehnt das Gericht den Einspruch ab, was als wahrscheinlich gilt, muss das Mädchen zur Großmutter. Gesetzlicher Vormund bleibt so oder so weiterhin der Vater, ohne dessen Einverständnis Mutter und Tochter – trotz der Scheidung – das Land nicht verlassen dürfen.