Neue Fragen stellen sich

dpa

Von dpa

Di, 10. September 2019

Panorama

Nach dem tödlichen SUV-Unfall in Berlin gibt es Hinweise auf einen epileptischen Anfall des Fahrers.

BERLIN (dpa) Vier Menschen sterben in Berlin, als ein schweres Auto offenbar unkontrolliert auf einen Gehweg fährt. Für manche Menschen stehen die Schuldigen sofort fest: schwere Geländewagen und ihre rücksichtslosen Fahrer. Jetzt stellen sich andere Fragen.

Die Polizei hatte nach dem Unfall mitgeteilt, dass es Hinweise auf einen medizinischen Notfall gegeben habe. Ob sie von dem Fahrer selbst, der älteren Beifahrerin oder Dritten stammten, wurde nicht mitgeteilt. Die Polizei will mit Hilfe der Krankenakte des Fahrers und einer Blutuntersuchung klären, ob er krank war und die Hinweise auf einen epileptischen Anfall stimmen. Dazu muss die Staatsanwaltschaft die Beschlagnahmung der Akte in die Wege leiten. Die Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung führt, teilte lediglich mit: "Eine Ermittlungsgruppe der Polizei soll im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Umstände des Unfalls aufklären. Es werden Zeugen vernommen, die Daten des Unfallfahrzeugs ausgelesen sowie ein Video ausgewertet."

Nach Zeugenaussagen und einem Video fuhr der Porsche Macan am Freitagabend sehr schnell auf der Gegenfahrbahn am Verkehr, der auf der rechten Spur stand, vorbei. Er rammte eine Ampel, überfuhr die vier Menschen auf einem Gehweg, darunter einen dreijährigen Jungen, durchbrach einen Bauzaun und kam erst auf einem Baugrundstück zum Stehen.

Bei der Berliner Polizei gab es am Montag inoffiziell heftige Kritik an Teilen der Politik, die schon am Morgen nach dem Unfall eine Debatte über SUV-Geländewagen in Städten losgetreten hatten – ohne Rücksicht auf die Familien der Opfer und ohne etwas über den Unfallverlauf und die Ursache zu wissen.

Grünen-Politiker, die Deutsche Umwelthilfe, alternative Verkehrs- und Fußgänger-Verbände hatten am Samstag Einschränkungen für SUVs gefordert. Nach Einschätzung von Experten aus der Unfallforschung und der Polizei gibt es aber keine Hinweise dafür, dass der Unfall mit einer Limousine, einem Mittelklasseauto, einem Familien-Van oder einem Taxi anders verlaufen wäre. Viele Limousinen sind genauso schwer und schnell wie das Unfallauto.

Die FDP kritisierte am Montag die Grünen und die Deutsche Umwelthilfe. FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg warf ihnen ein Vorgehen nach AfD-Muster vor. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen und doch würden sie schon den Schuldigen kennen: SUVs und deren Fahrer. "Das ist nicht nur die Sprache, sondern auch die Logik der AfD: Vor- und Pauschalurteile über eine Gruppe, bevor alle Tatsachen bekannt sind."

Der Automobilclub ADAC hält ein Verbot von SUVs weder für umsetzbar noch für sinnvoll. "Entscheidend für die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern ist vielmehr das verantwortungsvolle Führen von Kraftfahrzeugen", teilte ein ADAC-Sprecher am Montag mit. Das gelte vor allem für die Faktoren angepasste Geschwindigkeit, Alkohol und Ablenkung. "Insofern lässt sich Unfallvermeidung nicht mit dem Verbot einer Fahrzeugklasse lösen, sondern durch mehr Rücksichtnahme."