Schöner Stoff für die Queen

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Von dpa

Mi, 13. November 2019

Panorama

Die Chefstylistin hat ein Buch über Elizabeth II. geschrieben – und die Königin hat es abgesegnet.

LONDON (dpa). Angeblich massiert sie der Queen sogar die Füße, wenn sie gemeinsam fernsehen. Angela Kelly hat geschafft, wovon viele nur träumen: Aufgewachsen in einer Sozialbausiedlung in Liverpool, ist sie die Vertraute der britischen Königin geworden. "Wir diskutieren Kleidung, Make-up, Schmuck", vertraute die Chefstylistin der Queen dem Telegraph 2007 in einem ihrer seltenen Interviews an.

Fast drei Jahrzehnte und soziale Welten trennen die beiden modebegeisterten Frauen. Als die geschiedene Mutter Kelly die Einladung zum Vorstellungsgespräch im Palast bekam, verkaufte sie ihre Waschmaschine, um sich ein angemessenes Outfit leisten zu können. Und dennoch sind sie so etwas wie Freundinnen geworden – in Maßen: "Ich kenne meinen Platz. Ich würde nie mit der Königin über Staatsangelegenheiten sprechen", erklärte Kelly im Telegraph. "Ich komme aus bescheidenen Verhältnissen und denke, dass ich bescheiden geblieben bin."

Dennoch hat sie das Undenkbare getan und ein Buch über ihre Beziehung zu Queen Elizabeth II. veröffentlicht, "The Other Side of the Coin: The Queen, the Dresser and the Wardrobe" (Die andere Seite der Medaille: die Königin, die Ankleidedame und die Garderobe). Dass die Queen (93) das überhaupt erlaubt, ist ein echter Vertrauensbeweis, denn Bedienstete der königlichen Familie müssen normalerweise Hofinterna geheim halten.

Zuletzt veröffentlichte das Kindermädchen der Queen in den 1950er Jahren Indiskretionen in ihrem Buch "The Little Princesses" und fiel danach in Ungnade. Doch "die Königin hat Angela persönlich ihren Segen gegeben, um ihre beispiellose Verbundenheit mit der Welt zu teilen", verkündete der Verlag HarperCollins.

Sie versteht sich so gut mit der Queen, dass sie in ihrem Buch sogar die kleinen, wohlwollenden Streiche beschreibt, die sie Ihrer Majestät regelmäßig spielt. Ein Drahtseilakt, denn die Hierarchien müssen immer gewahrt werden – auch wenn Kelly zu den wenigen Menschen gehört, die die britische Königin fast täglich unter vier Augen sehen und sie berühren dürfen. Mit Hilfe eines siebenköpfigen Teams managt Kelly die Garderobe der Queen. Auch andere Hofbräuche gehören zu ihren Aufgaben: Kelly läuft die Schuhe der Queen ein. "Die Königin hat sehr wenig Zeit für sich selbst und keine Zeit, ihre eigenen Schuhe einzulaufen, und da wir die gleiche Schuhgröße haben, macht das am meisten Sinn", schreibt sie in ihrem Buch.

Doch Experten wie der Autor Robert Jobson zeichnen von Kelly auch das Bild einer ehrgeizigen Managerin, die sich gegen die Eifersüchteleien anderer Bediensteter temperamentvoll zur Wehr setzt. Angeblich wird sie von Kollegen AK47 genannt, nach dem russischen Sturmgewehr Kalaschnikow. Doch bereits in ihrem Interview mit dem Telegraph lachte die Designerin über solche Gerüchte: "Ich habe für Messer keinen Platz mehr im Rücken."