Italien

Zwei Nonnen erwarten ein Kind – und beschäftigen die Kirche

Julius Müller-Meiningen

Von Julius Müller-Meiningen

Sa, 09. November 2019 um 19:36 Uhr

Panorama

Die katholische Kirche ist mal wieder in Erklärungsnot: Zwei Nonnen sollen schwanger geworden sein. Beide Frauen stammen aus Afrika und waren auf Sizilien tätig.

Eine der beiden soll eine Ordensoberin aus Madagaskar sein, die in der Seniorenbetreuung aktiv war. Sie ist in ihre Heimat zurückgekehrt. Die andere war in einer sozialen Einrichtung in der Gemeinde Sant’Agata Militello tätig und offenbar sehr anerkannt. Sie hatte wegen starker Bauchschmerzen ein Krankenhaus aufgesucht und stellte dann fest, schwanger zu sein. Sie wurde aus der Provinz Messina nach Palermo versetzt.

Über die Umstände der Schwangerschaft beider Frauen ist nichts bekannt. Sie sollen beide in ihren Heimatländern gewesen sein, als sie schwanger wurden. Nicht ausgeschlossen ist, dass es sich um sexuellen Missbrauch handelt. Im Februar gab Papst Franziskus zu, dass sexueller Missbrauch von Ordensschwestern in der katholischen Kirche keine Seltenheit ist. "Es stimmt, es ist ein Problem", sagte der Papst. Auch Priester und Bischöfe hätten Nonnen sexuell missbraucht. "Ich glaube, es wird immer noch getan", fügte Franziskus hinzu.

Die katholische Kirche, die das Keuschheitsgelübde für den Klerus aufrecht hält, hat nun ein Problem, die Fälle zu erklären. Es herrsche "Bestürzung" angesichts der Nachricht der beiden schwangeren Nonnen, sagte eine anonyme Vatikan-Quelle der britischen Zeitung The Sun. Um der häufigen Diskrepanz zwischen den kirchlichen Vorschriften und der Realität beizukommen, empfahlen die Bischöfe bei der Amazonien-Synode vor kurzem im Vatikan erstmals, dass verheiratete Familienväter ausnahmsweise zu Priestern geweiht werden sollen.

Im Februar, als im Vatikan eine Sonderkonferenz über sexuellen Missbrauch stattfand, wurde bekannt, dass die katholische Kirche interne Regeln für Priester hat, die trotz des Zölibats Väter werden. Diese Priester müssen ihre Ämter niederlegen. Offiziell heißt es, das Wohl des Kindes müsse im Vordergrund stehen.

Frauen aus Entwicklungsländern schließen sich oft auch aus wirtschaftlichen Gründen der Kirche an. Hier sind sie materiell versorgt. Auffällig ist, dass von offizieller Seite keine Rede vom Wohl der Frauen ist. "Schade, dass so etwas passiert", sagte Salvatore Riotta, Bürgermeister von Sant’Agata Militello und bedauerte das Bekanntwerden der Nachricht. "Unsere Gemeinde ist fassungslos."