Strafprozess um gefährliche Pillen in Paris

dpa

Von dpa

Di, 24. September 2019

Panorama

Vorwurf: fahrlässige Tötung.

PARIS (dpa). Über 100 Zeugen, 376 Anwälte, fast 2700 Opfer als Nebenkläger: Im Skandal um gefährliche Schlankmacher-Pillen hat jetzt ein spektakulärer Strafprozess in Paris begonnen. Zwölf Beschuldigte müssen sich bis Ende April 2020 vor Gericht verantworten. Zudem müssen elf Organisationen oder Firmen auftreten, darunter der Hersteller Servier und die nationale Agentur für Arzneimittelsicherheit (ANSM), wie französische Medien am Montag berichteten. Die Vorwürfe reichen von schwerem Betrug bis hin zu fahrlässiger Tötung.

Die Pillen des Pharma-Konzerns Servier könnten allein in Frankreich den Tod von mindestens 500 Patienten verursacht haben. Zu diesem Schluss kam eine Studie der Aufsichtsbehörde für Medikamentensicherheit schon zu Beginn des Jahrzehnts. Rechtsexperten würden inzwischen die Zahl von 1500 bis 2100 Toten nennen, berichtete die Tageszeitung Le Monde. Das Mittel soll unter anderem Herz- und Kreislaufschäden hervorgerufen haben. Mediator ist seit zehn Jahren in Frankreich nicht mehr auf dem Markt, in Deutschland wurde das Medikament nicht verkauft. "Wir warten darauf, dass ein Strafrichter über die Vergehen entscheidet, die Servier vorgeworfen werden", sagte die aus der Bretagne stammende Fachärztin Irène Frachon dem Sender BFMTV. Die Ärztin trug wesentlich dazu bei, den Gesundheitsskandal aufzudecken. Sie verglich im Hospital Krankenakten und stellte die Verbindung zwischen bestimmten Krankheiten und dem Medikament her.