Unfall unter Tage

Birgit Zimmermann

Von Birgit Zimmermann (dpa)

Sa, 09. November 2019

Panorama

In einer alten Kali-Grube in Teutschenthal hat es eine Verpuffung gegeben / Zwei Bergleute verletzt.

TEUTSCHENTHAL. Um 8.57 Uhr geht am Freitag in der Grube Teutschenthal im Süden Sachsen-Anhalts ein Alarm los. Unter Tage gibt es eine Verpuffung. Zwei Bergleute, ein 24-Jähriger und ein 44-Jähriger, werden verletzt. Die Grubenwehr rückt aus, ein oft geübtes Rettungskonzept wird in Gang gesetzt. 36 weitere Bergleute, die sich in der Grube aufhalten, retten sich nach Angaben der Polizei in zwei vorgesehene Sicherheitsbereiche.

Zunächst hieß es, die 36 Bergleute müssten stundenlang in rund 700 Metern Tiefe ausharren, da sie eingeschlossen worden seien. Das sei aber nicht der Fall gewesen, betont der technische Geschäftsführer der Grube, Erik Fillinger. Den Manager erreichte der Grubenalarm auf dem Handy. "Das war natürlich erstmal ein Schock", sagt Fillinger. Er fuhr sofort zu dem Betriebsgelände. Die Grubenwehr habe die beiden verletzten Kollegen aus dem alten Kali-Bergwerk nach oben bringen können. "Sie konnten laufen und waren ansprechbar", berichtet Fillinger. Welche Verletzungen sie genau erlitten, war zunächst unklar. Der Ältere habe durch herumfliegendes Material Schürfwunden im Gesicht erlitten. Beide hätten unter Schock gestanden und seien nach Halle ins Krankenhaus gebracht worden. Die anderen Bergleute waren unversehrt wieder ins Freie gekommen.

Grund für die Verpuffung war nach ersten Erkenntnissen des Landesbergamtes ein explosives Gasgemisch gewesen, das sich in der Grube gebildet hatte. Die Grube Teutschenthal ist ein früheres Kali-Bergwerk, das schon 1982 stillgelegt wurde. Zwei große Abraumhalden in dem Ort künden von der Bergbauvergangenheit. Zur Zeit arbeiten in der Grube nach Unternehmensangaben etwa 100 Menschen. Die alte Grube mit einer Ausdehnung von rund 10 Kilometern muss gesichert werden. Das war auch die Arbeit der Bergleute am Freitag: Sie füllten Versatzmaterial in die Hohlräume – zumeist Filterstäube aus Müllverbrennungsanlagen. In diesen Materialien ist auch Wasserstoff gebunden, sagt Fillinger. Die Polizei und das Landesamt für Geologie und Bergwesen haben Ermittlungen zu dem Unglück aufgenommen.

Wenige Stunden nach der Verpuffung herrscht relative Ruhe auf dem Grubengelände. Die Polizei, die zunächst mit 20 Einsatzkräften angerückt war, ist bis auf ein Auto wieder weg. Alle betroffenen Bergleute sind nach Hause geschickt worden. Der Betrieb steht still. Niemand dürfe derzeit ohne Sauerstoffversorgung unter Tage, berichtet Fillinger. Die Grubenwehr ist noch im Einsatz. Sie nimmt so genannte Wettermessungen vor – prüft also die Gaskonzentration. Erst wenn die Werte unbedenklich seien, werde die Grube in Abstimmung mit dem Landesbergamt wieder geöffnet, sagt Fillinger. Solch einen Unfall habe es in Teutschenthal zuvor noch nicht gegeben.

Die Polizei geht dem Verdacht auf Körperverletzung nach, vorsätzlich oder fahrlässig verursacht, sagt Ralf Karlstedt, Sprecher der Polizei in Halle. Wie lange die Messungen unter Tage dauern werden, kann Geschäftsführer Fillinger am Freitagmittag noch nicht sagen. Für ihn steht nach dem großen Schreck am Morgen im Vordergrund, dass die Bergleute in Sicherheit sind. "Ich war am Ende sehr erleichtert, als ich die beiden Kollegen, die leider eine Verletzung davongetragen haben, gesehen habe und mit dem einen auch noch mal reden konnte."