Wilke-Wurst auch bei Ikea

dpa

Von dpa

Di, 08. Oktober 2019

Panorama

Kritik wegen keimbelasteter Waren an zuständigen Behörden.

KORBACH/MAINZ (dpa). Auch der Möbelkonzern Ikea ist mit Produkten des nordhessischen Wurstherstellers Wilke beliefert worden, der wegen keimbelasteter Waren in die Schlagzeilen geraten ist. Über einen Großhändler habe Ikea Deutschland Wurst-Aufschnitt für Kunden- und Mitarbeiterrestaurants von diesem Hersteller erhalten, sagte eine Sprecherin des Möbelkonzerns am Montag. Sie bestätigte damit Angaben der Verbraucherorganisation foodwatch.

Ikea war am Mittwoch durch den Großhändler über die Schließung von Wilke informiert worden und habe "den Verkauf aller Produkte des Herstellers umgehend gestoppt", sagte die Sprecherin. Nicht betroffen sei das übrige Fleisch- und Wurstwaren-Sortiment. Mittlerweile gebe es einen neuen Lieferanten für Aufschnitt.

Waren von Wilke werden mit zwei Todesfällen in Südhessen und 37 weiteren Krankheitsfällen in Verbindung gebracht. Mehrfach wurden Listerien-Keime in Wilke-Produkten nachgewiesen. Die Keime können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sein. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hatte als Aufsichtsbehörde den Betrieb mit 200 Mitarbeitern vergangene Woche geschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Auch Betriebe in Rheinland-Pfalz sind mit Wurst von Wilke beliefert worden. Bereits vergangene Woche hatte der Großhändler Metro erklärt, Wilke-Produkte aus dem Sortiment genommen zu haben.

Wie die Keime in die Wurst kamen, untersuchten Spezialisten, ihr Bericht liege dem Landkreis vor. "Dieses Gutachten bestätigt das Handeln des Landkreises, die Schließung der Firma Wilke zu verfügen und den Rückruf aller Produkte zu veranlassen", sagte Landrat Reinhard Kubat (SPD) am Montagabend, ohne auf den Bericht näher einzugehen. Er sei an die Staatsanwaltschaft Kassel übergeben worden. Kubat habe angeordnet, alle Abläufe der Behörde auf den Prüfstand zu stellen.

Foodwatch hatte Wilke und den Behörden "schwere Versäumnisse" vorgeworfen. Eine Liste aller belieferten Händler gibt es laut Behörden nicht. Am Montag veröffentlichte das Land eine Liste der Marken und Handelsnamen betroffener Produkte. "Im Fall Wilke Wurstwaren stellen sich noch viele Fragen, die beantwortet werden müssen", so Umweltministerin Priska Hinz (Grüne). Man werde den Fall gemeinsam analysieren und die erforderlichen Konsequenzen ziehen.

Der Landkreis hat angekündigt, den Vorgang "auch intern ohne Wenn und Aber aufzuarbeiten". Sollte es Fehler gegeben haben, wäre das Regierungspräsidium Kassel die zuständige Aufsichtsbehörde. Dort will man vorerst abwarten. Wilke hat ein vorläufiges Insolvenzverfahren beantragt, dem zugestimmt wurde, so ein Sprecher des Amtsgerichts Korbach. Ziel sei, das Unternehmen weiter zu betreiben. Ob das gelinge, sei fraglich.