Zwischen Klatschpresse und Krisen

dpa

Von dpa

Di, 29. Oktober 2019

Panorama

Die künftige Königin Spaniens Leonor, gerade mal ein Teenager, zeigt sich in der Öffentlichkeit.

MADRID (dpa). Die Kindertage, weitgehend fern der Öffentlichkeit, gehen für Spaniens Kronprinzessin Leonor dem Ende entgegen. Die Klatschmagazine stürzen sich zunehmend auf die Thronfolgerin und beäugen kritisch jedes Detail. Als Leonor kürzlich im Fürstentum Asturien ihre erste Rede hielt und die bisher schnurgeraden Haare plötzlich wellig trug, sprach die Zeitschrift Glamour bereits von einem "neuen Stil" und "mehr Persönlichkeit". Am Donnerstag wird die künftige Königin 14 Jahre alt.

Dass Leonor überhaupt Regentin wird, ist eine Neuheit in Spanien. Bisher waren die männlichen Nachfahren laut Artikel 57 der Verfassung automatisch Thronfolger – wie der Vater Felipe VI., der zwei ältere Schwestern hat. Als Leonor 2005 zur Welt kam, waren sich aber Königshaus und Politiker einig, dass die Regel abgeschafft werden soll. Leonor wird also in jedem Fall Monarchin, selbst wenn sie noch einen Bruder bekommen sollte. Offiziell wurde die Verfassung aber noch immer nicht geändert.

Ihre Ansprache anlässlich der Verleihung der renommierten Prinzessin-von-Asturien-Preise in Oviedo Mitte Oktober wurde live im staatlichen Fernsehen übertragen –, denn wenn eine Kronprinzessin ins Rampenlicht tritt, macht das auch trotz einiger arg monarchieverdrossener Landesteile Schlagzeilen. Die Charme-Offensive der Royals scheint zu gelingen: Es gab viel Lob für den Auftritt der Juniorchefin. "Dies ist ein wichtiger Tag in meinem Leben, auf den ich mich lange gefreut habe", strahlte sie mit leuchtenden Augen das Publikum an. Einige der Gäste wurden ganz emotional. Leonor zeigte sich deutlich souveräner als ihr Papa, der 1981 – ebenfalls mit 13 Jahren und bei den Asturien-Preisen – seine erste Rede hielt. Während Felipe damals stur auf sein Manuskript starrte, sprach Leonor flüssig, selbstsicher.

Felipe (51) und Letizia (47) führen mit ihren zwei Töchtern ein relativ normales Dasein, unauffällig und skandalfrei. Die "Casa Real" ist vielen Spaniern zudem wieder sympathischer als unter der Führung von Altkönig Juan Carlos. Dennoch: Unter der Heile-Welt-Oberfläche, die das junge und moderne Haus Bourbón repräsentiert, brodelt es. Im Mittelpunkt steht die katalanische Unabhängigkeitsbewegung, die vehement für eine Abspaltung der Region von Spanien eintritt und dem Königshaus skeptisch, ja geradezu feindselig gegenübersteht.