Zweiter Prozesstag

Zeuge: Hussein K. hat möglicherweise auch im Iran ein Mädchen vergewaltigt

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Mo, 11. September 2017 um 09:26 Uhr

Freiburg

Bisher hat er zur Tat geschwiegen – jetzt hat sich Hussein K. erstmals geäußert. Er gab zu, die 19-jährige Maria L. vom Fahrrad getreten, gewürgt, vergewaltigt und getötet zu haben. Der erste Zeuge im Prozess, ein Ermittler, sagte aus, dass der Angeklagte versucht haben soll, sich in einer Schwulenbar zu prostituieren. Außerdem habe er womöglich schon im Iran ein zwölfjähriges Mädchen vergewaltigt.

17:30 Uhr: Der zweite Verhandlungstag ist beendet. Am Mittwoch wird der Prozess ab 9 Uhr fortgesetzt. Dann sollen Bekannte aus dem Umfeld von Hussein K. gehört werden, mit denen er den Abend des 15. Oktober verbracht hat – den Abend vor der Tat. Insgesamt hat die Jugendkammer mit Richterin Kathrin Schenk 16 Verhandlungstage angesetzt, die sich über knapp drei Monate erstrecken werden. Das Urteil könnte am 8. Dezember gefällt werden

17:07 Uhr: Am Tag nach seiner Festnahme sei Hussein K. von der Rechtsmedizin untersucht worden. Man habe Narben am Handrücken und ältere stichförmige Narben am Rücken und anderen Stellen des Körpers gefunden. Haarproben würden belegen, dass er Drogen konsumiert habe: häufig Cannabis, gegentlich auch Heroin, seltener Kokain. Der Alkoholkonsum sei laut diesen Untersuchungen moderat gewesen, so der Kripo-Beamte.

Die Video-Analyse des BZ-Chefreporters zum Prozess gegen Hussein K.:



17:04 Uhr: Gegenüber Betreuern und auch gegenüber Landsleuten habe Hussein K. an seinem Geburtsjahr 1999 festgehalten, so der Zeuge. Zwei afghanische Bekannte hätten dies jedoch nicht glauben wollen und mit viel Nachdruck nachgefragt. Einem der Beiden soll Hussein K. gesagt haben, er sei 27 Jahre alt, dem Anderen habe er gesagt, er sei 24 Jahre alt, berichtete der zuständige Fahnder aus den Ermittlungsakten.

16:55 Uhr: Nächster Paukenschlag in der Aussage des Kriminalbeamten: Möglicherweise hat Hussein K. auch schon im Iran eine Straftat begangen. Er soll seinem Zellennachbarn im Gefängnis erzählt haben, dass er als 14-Jähriger im Iran ein zwölf Jahre altes Mädchen vergewaltigt hat.

Offenbar hat die Staatsanwaltschaft auch im Iran recherchiert - doch diese Ergebnisse werden erst zu einem späteren Zeitpunkt vor Gericht vorgetragen. Der Fall sei nicht aktenkundig geworden, weil die Familien im Iran den Fall unter sich ausgemacht hätten. Hussein K. habe nach eigener Aussage eine Prügelstrafe bekommen.

16:45 Uhr: Der Hauptsachbearbeiter der Kripo schildert noch einmal den Tag des 15. Oktober. Hussein K. habe sich mittags in seiner Wohnung mit vier Freunden getroffen. Dort hätten sie zunächst gemeinsam zu Mittag gegessen. Dann seien sie in die Innenstadt gefahren, in einem Edeka hätten sie sich noch Alkohol besorgt. Die Gruppe sei in den Seepark gegangen. Als sie Hunger bekommen hätten, sei einer zurück in die Innenstadt gefahren, habe Hähnchenfleisch und einen Einweggrill besorgt – und zudem noch zwei weitere Freunde mitgebracht.

"Wann Hussein K. in dieser Nacht heimkam, das weiß in dem Haus niemand."Der Ermittler Auch Husseins Begleiter werden noch vor Gericht aussagen. Der Polizei hätten sie gesagt, dass der Angeklagte an diesem Abend wenig getrunken habe: "Er war noch der Normalste von allen", zitiert der Ermittler die Zeugen. Später am Abend seien sie in die Stadt gegangen – dort hätten sie sich getrennt. Husseins Mitbewohner sei alleine nach Ebnet gefahren. Weil er keinen Schlüssel hatte, habe er den Pflegevater rausgeklingelt, weswegen dieser sauer gewesen sei. "Wann Hussein K. in dieser Nacht heimkam, das weiß in dem Haus niemand", so der Ermittler.

Kurz vor 23 Uhr habe Hussein K. dann alleine die in Freiburg als Treff von Homosexuellen bekannte "Sonderbar" in der Altstadt betreten. Das Lokal werde Videoüberwacht. Der Betreiber habe der Polizei die Daten zur Verfügung gestellt. So lasse sich der Aufenthalt von Hussein K, der bis etwa 1.15 Uhr dauerte, nachvollziehen. Ein Barkeeper habe den Eindruck gehabt, dass der Angeklagte nicht betrunken war, aber den Betrunkenen mimte. Anhand seiner Erfahrung könne er dies einschätzen, habe der Zeuge der Polizei gesagt. Mit einer Besucherin soll sich Hussein K. auf Deutsch über die Flüchtlingsproblematik unterhalten haben. Dann sei er auf einen männlichen Gast getroffen. Diesem soll er gegen Geld sexuelle Dienstleistungen auf dem WC der Bar angeboten haben. Der Gast habe dies abgelehnt, obwohl Hussein K. mit dem Preis immer weiter runtergegangen sei. Er habe Hussein K. wesentlich älter eingeschätzt, soll er noch der Polizei gesagt haben.

Später soll sich der Angeklagte in dem Lokal zwei Frauen zugewandt haben, die sein Auftreten als unangenehm empfanden. Einer Frau soll er ans Gesäß gefasst haben. Man sehe auf den Videoaufnahmen, wie Hussein K. von der Frau weggestoßen werde, so der Kriminalhauptkommissar. Die Frauen hätten wenig später die Bar verlassen, gefolgt von Hussein K.


(Wo war Hussein K. an jenem Abend und in jener Nacht, als Maria ...

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