Falschen Mann als Peiniger beschuldigt

dpa

Von dpa

Mo, 02. Dezember 2019

Südwest

Jesidin zieht Vorwurf zurück.

SCHWÄBISCH GMÜND / BAGDAD (dpa). Der Fall sorgte vor rund einem Jahr für Schlagzeilen: Eine traumatisierte Jesidin berichtete, dass sie ihren früheren IS-Peiniger in ihrer neuen Heimat in Schwäbisch Gmünd begegnet sei. Jetzt nimmt die Geschichte eine neue Wendung. Die Frau hat eingeräumt, dass sie diesem Mann doch nicht in Baden-Württemberg gegenüber gestanden habe. In einem am Freitag ausgestrahlten Interview mit Iraks Staatsfernsehen sagte sie, es habe sich herausgestellt, dass der Mann, den sie gesehen habe, ein anderer gewesen sei. Dieser habe ihrem Peiniger geähnelt.

Aschwak Hadschi Hamid Talo war 2015 als Flüchtling nach Baden-Württemberg gekommen und lebte mit ihrer Mutter und ihren Brüdern in Schwäbisch Gmünd. Sie verließ Deutschland 2018, nachdem sie ihren Peiniger nach eigenen Angaben auf der Straße gesehen hatte, kehrte aber wieder zurück. Den Ermittlungsbehörden warf sie damals vor, ihren Fall nicht ernst genug zu nehmen.

Das baden-württembergische Innenministerium sieht sich in dem Fall nun bestätigt. "Wir haben immer auf das laufende Ermittlungsverfahren verwiesen und vor vorschnellen Schlüssen gewarnt", teilte ein Sprecher am Sonntag auf Anfrage mit. "Insofern überrascht uns diese Entwicklung nicht wirklich. Sie zeigt deutlich, dass voreilige Urteile und Bewertungen riskant sind." Schon vergangenes Jahr hatte sich Innenminister Thomas Strobl (CDU) vor die Sicherheitsbehörden im Land gestellt und keine Versäumnisse gesehen. Aus Behördenkreisen war zu erfahren, dass die Ermittlungen damals keinen Verdacht gegen den Mann ergeben hatten, den die Frau als ihren Peiniger erkannt haben wollte. Das Verfahren sei deshalb eingestellt worden.