BZ-Serie "Geheimnisse"

Schweizer Whistleblower: "Ich habe für einen Schurkenclub gearbeitet"

Jannik Jürgens

Von Jannik Jürgens

Do, 30. August 2018 um 12:00 Uhr

Südwest

BZ-Plus Für die einen ist er ein Held, für die anderen ein Verbrecher: der Schweizer Whistleblower Rudolf Elmer. Jahrelang arbeitete er für Banken in Steueroasen. Dann machte er ihre Taktiken per Wikileaks bekannt.

Jahrelang arbeitete Elmer für international agierende Banken in Steueroasen. Dann flog er raus – und wechselte die Seite. Aus dem Banker wurde ein Aktivist, der gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber in den Krieg zog. Seine Waffe: Das Veröffentlichen geheimer Kundendaten. Sie sollen verdeutlichen, dass die Bank ein System erschuf, in dem Steuerhinterziehung gängig ist. Jannik Jürgens sprach mit ihm.

BZ: Herr Elmer, ein Schweizer Richter sagte einmal, Sie seien "kein Whistleblower, sondern ein ganz normaler Krimineller".

Elmer: Wissen Sie, das war, nachdem mich dieser Richter vom Vorwurf der Verletzung des Bankgeheimnisses freigesprochen hat. Den Freispruch konnte er kaum über die Lippen bringen. Und dann hat er mit dem Zitat seine persönliche Meinung kundgetan. Es kann doch nicht sein, dass man jemanden zunächst freispricht – und ihn dann doch für schuldig erklärt.

BZ: Meinte der Richter damit vielleicht die Vorwürfe der versuchten Nötigung, Drohung und Urkundenfälschung?

Elmer: In diesen Punkten bin ich schuldig gesprochen worden, das stimmt. Allerdings nur vor dem Obergericht. Und: Als der Richter das gesagt hat, war das Urteil noch nicht rechtskräftig, denn ich bin in Berufung gegangen. Eine Entscheidung des Bundesgerichts steht noch aus und so lange gilt die Unschuldsvermutung.



BZ: Lassen Sie uns über die Ursachen des Rechtsstreits reden. Sie arbeiteten jahrelang für die Schweizer Bank Julius Bär auf den Cayman Islands. Was lief dort Ihrer Meinung nach falsch?
Elmer: Da gab es ein sogenanntes Schattenbankensystem. In Zürich wurden zum Beispiel um ...

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