Soldaten gegen Borkenkäfer?

dpa

Von dpa

Mi, 05. August 2020

Südwest

Die Bundeswehr soll nach dem Willen der Forstkammer den Waldbesitzern helfen – Hauk lehnt ab.

Der Borkenkäfer knabbert und kaut sich immer stärker durch den Wald – und Förster und Waldbesitzer müssen teilweise machtlos mit ansehen, wie ein Baum nach dem anderen abstirbt. Genug, sagt die Forstkammer, und ruft nach der Bundeswehr. Die ist andernorts schon im Einsatz.

Im verzweifelten Kampf gegen den Borkenkäfer muss nach Ansicht der Forstkammer notfalls die Bundeswehr ausrücken, um befallene Bäume zu markieren und zu entrinden. "In Rheinland-Pfalz helfen Soldaten bei der Suche der Borkenkäferbäume", sagt Kammer-Geschäftsführer Jerg Hilt. "Auch in Baden-Württemberg muss die Politik den Waldbesitzern helfen, um die weitere Ausbreitung des Borkenkäfers zu bremsen."

Im Hunsrück, in der Eifel und im Westerwald sind nach Angaben der Mainzer Landesregierung derzeit rund 100 Soldaten im Wald unterwegs. Ihr Einsatz begann Mitte Mai und soll zunächst zwölf Wochen dauern. Zuvor erhielten sie eine Art Crashkurs, um den Borkenkäfer zu erkennen.

Militär zwischen Buchen und Birken lehnt Forstminister Peter Hauk (CDU) ab: Das Ministerium habe einen Einsatz der Bundeswehr im Wald zeitgleich mit dem rheinland-pfälzischen Projekt geprüft. Allerdings sei der organisatorische Aufwand für die Betreuung und das Einlernen der Soldaten bei ständig wechselndem Personal zu hoch. Das gelte vor allem in den steilen Lagen der Borkenkäfer-Hotspots im Südschwarzwald. Ein schneller Erfolg im Kampf gegen den Schädling sei auf diesem Weg nicht zu erwarten.

Das sieht der Bund Deutscher Forstleute ähnlich: "Forstwirtschaft gehört nun mal nicht zur Kernkompetenz der Bundeswehr", sagt deren Landesvorsitzender Dieter Hellmann. Stattdessen müsse in den personellen Aufbau der Profis investiert werden. "Es gibt keine Ressourcen an Fachkräften, weder bei den Waldarbeitern und Forstwirten noch bei den Forstleuten, also auch bei den Förstern."

Waldbesitzern bereitet der Zustand des Waldes massiv Sorgen. Das laufende Jahr ist bereits das dritte extrem trockene in Folge. Nach Angaben der Forstkammer sind 43 Prozent der Bäume bereits schwer geschädigt. Mehrere Millionen Kubikmeter Schadholz von entwurzelten Bäumen seien ein idealer Nährboden für den Borkenkäfer.

Die betroffenen Bäume – überwiegend Fichten – müssten nach Angaben Hilts gefällt und eigentlich schnell aus dem Wald gebracht werden. Weil es für das Schadholz allerdings weder genug Fahrzeuge noch Lagerfläche gibt, sollten gefällte Bäume vor Ort durch den Häcksler geschoben werden, schlägt er vor. Die Hackschnitzel müssten dann am besten direkt zurück in den Wald geblasen werden, das sei die effizienteste und ökologischste Methode, um das Ausbreiten des Käferbefalls zu verhindern. Das Land müsste dafür die Kosten übernehmen, fordert er.

Derzeit nehmen viele Sägewerke nur noch wenig Holz an, weil auch der Absatz deutlich sinkt. Der Preis pro Festmeter liegt laut Forstkammer bei rund 20 Euro, aber es kostet 25 Euro, diese Menge aufzuarbeiten. "Das heißt: es ist nicht mehr finanzierbar, das Holz aus dem Wald zu schaffen", erklärt Hilt. Deshalb müsse die angekündigte Beihilfe für die Aufarbeitung massiv erhöht werden.

Auch hier wehrt Minister Hauk ab: "Sinn der Aufarbeitungshilfe ist es, die erhöhten Kosten abzudecken, die dem Waldbesitzer bei der Aufarbeitung von Schadhölzern entstehen." Die Förderung könne aber die gefallenen Rundholzpreise nicht ausgleichen. Eine Vervierfachung würde auch beihilferechtliche Vorgaben sprengen.