Abschiedstour

Sprache als Freund und Feind zugleich: Oettinger sagt Adieu

Roland Muschel

Von Roland Muschel

Mo, 14. Oktober 2019 um 10:33 Uhr

Südwest

BZ-Plus Fünf Jahre Ministerpräsident, zehn Jahre EU-Kommissar: Günther Oettinger, der letzte einflussreiche CDU-Politiker aus Baden-Württemberg, verlässt die Bühne. Wir haben ihn auf seiner Abschiedstour begleitet.

EU-Kommissar Günther Oettinger geht auf das Kronenzentrum in Bietigheim zu, die nächste Veranstaltung, die nächste Ruck-Rede. Es ist ein schöner Spätsommersamstag, in der Fußgängerzone sitzen die Leute beim Eiskaffee, einige grüßen freundlich, ein Mann mittleren Alters ruft: "Kann ich ein Autogramm von Ihnen haben?" Günther Oettinger hat keine Visitenkarten parat, er tritt an den Tisch und schnappt sich einen Bierdeckel. "Woher kommen Sie?", fragt der Schwabe, der im nahen Ditzingen aufgewachsen ist, und zückt seinen Füllfederhalter. Aus dem Schwarzwald, sagt der Mann. Aus Bietigheim, ergänzt die Gattin. "Für das Baden-Württemberg-Paar", schreibt Oettinger auf den Bierdeckel. An die Frau gewandt sagt er frotzelnd: "Gab’s hier keine gscheite Kerle?" Ihr Mann lacht. "Der isch gut!" Guter Spruch, guter Mann. Manchmal kann es ganz einfach sein.

"Wir sind 28 Zwerge. Zwerge stellt man in den Vorgarten, der Hund pinkelt sie an. Aber zusammen können 28 Zwerge ein Riese sein!" Oettinger über die EU Günther Oettinger, 65, ist auf Abschiedstour. Nach bald zehn Jahren als EU-Kommissar, erst für Energie, dann für Digitales, nun für Haushalt, ist Schluss, sobald die neue EU-Kommission im Amt ist – vielleicht im November. Dann endet, was im Alter von 14 mit dem Eintritt in die Junge Union begann: die Karriere eines Ausnahmepolitikers, dessen Image mit dem Aufstieg nicht immer Schritt gehalten hat. Abgeordneter, Fraktionschef, Ministerpräsident. Einerseits eine ...

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