Gesundheitsversorgung

Stadt Bad Säckingen und Aqualon sprechen über Therapiebad

Felix Held

Von Felix Held

Di, 13. August 2019 um 09:29 Uhr

Bad Säckingen

Die Pläne für den Gesundheitscampus werden auch bei der Stiftung Bad Zurzach genau verfolgt. Die Aqualon-Therme soll weiterentwickelt werden.

Gibt es künftig auf dem Gesundheitscampus in Bad Säckingen ein neues Therapiebad für das Rehaklinikum oder nicht – unter anderem diese Frage soll ein städtebaulicher Wettbewerb klären. Das hatte der Bad Säckinger Gemeinderat in seiner Sitzung Ende Juli beschlossen (die BZ berichtete). Doch was sagen die Verantwortlichen der Aqualon-Therme dazu, die von solch einem Bad in unmittelbarer Nähe direkt betroffen wären?

Sicht der Stiftung

Rainer Blaser, Direktor der Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach und Baden, die das Aqualon betreibt, hat am Montag bei einem Gespräch mit der Badischen Zeitung am Hauptsitz der Stiftung in Bad Zurzach betont, dass er die Pläne von einem Neubau bisher lediglich als "Idee" versteht. Dem stimmte auch Franc Morshuis, der Geschäftsführer der Aqualon-Therme zu, der bei dem Gespräch ebenfalls zugegen war. "Der städtebauliche Wettbewerb ist eine gute Sache, damit sich mal jemand Unabhängiges das ganze Areal aus der Helikoptersicht anschaut", sagte Morshuis.

Auch für Rainer Blaser wäre es im schlechtesten Fall so, dass alle Projekte auf dem künftigen Campus nur isoliert betrachtet würden. "Ich glaube, dass das nicht nur das Aqualon treffen würde, sondern, dass so allgemein nicht das volle Potential ausgeschöpft werden könnte", betont er. Deswegen sei die Stiftung als Betreiberin der Aqualon-Therme auch in regem Austausch mit Bürgermeister Alexander Guhl und Peter Mast, der bekanntermaßen in Personalunion Geschäftsführer der Gesundheitscampus GmbH und des Rehaklinikums Bad Säckingen ist. Für ihn mache es nur Sinn, wenn sich die Planungen auf das ganze Gebiet von Rehaklinikum, Aqualon, dem Spitalgebäude und der ehemaligen Hochrhein-Eggberg-Klinik beziehe, unabhängig davon, wer diese Areale jeweils verantworte, so Rainer Blaser. Denn nur so könne am Ende eine Lösung stehen, von der alle profitieren würden. "Wenn ich das nur aus der Sicht des Rehaklinikums sehe, kann ich die Pläne nachvollziehen, ein neues Bad zu bauen. Wenn es aber um die Gesamtsichtweise geht, sieht das nochmal anders aus", so Blaser. Diese Haltung hätten Bürgermeister Guhl und er gemein. Man sei sich "mehr als einig, dass man das zusammen betrachten muss". Zumal es dabei auch darum gehe, wie sich das Aqualon selbst für die Zukunft ausrichte. Man sehe Weiterentwicklungsmöglichkeiten im Bereich der kurörtlichen und therapeutischen Leistungen. Denkbar seien beispielsweise Wohnungen für Menschen, die ein starkes Interesse daran hätten, an einem Ort zu wohnen, wo sie kurörtliche Dienstleistungen sehr nahe haben können, skizziert Rainer Blaser ein denkbares Szenario. "Das gibt es in der Form heute so noch nicht." Dazu bräuchte es laut dem Stiftungsdirektor aber eine Bebauungsplanänderung, damit das Aqualon künftig auch Wohnungen anbieten könnte. Dies würde allen dienen, weil sowohl der Campus als auch das Aqualon dadurch mehr potentielle Kunden bedienen könnten, was die Tragbarkeit stärken würde. Generell sei es ihm wichtig, das neue Konzept vom Kunden her zu denken. Man müsse sich zuerst überlegen, für wen man was anbieten wolle und nicht einfach drauflosbauen.

Rainer Blaser und Franc Morshuis betonen indes, dass das Aqualon großes Interesse daran hat, auch künftig Leistungen für das Rehaklinikum anzubieten. Sei das künftig nicht so, könnte dies im schlimmsten Fall dazu führen, dass das Aqualon ins Straucheln gerate. "Das könnte bis zur Existenzgefährdung gehen", so Rainer Blaser.

Sicht des Bürgermeisters

Warum dies so ist, legt auf Nachfrage Bürgermeister Alexander Guhl dar. Denn zum einen überweist die Stadt seit 2007 jährlich 600 000 Euro für das Aqualon an die Stiftung Bad Zurzach und Baden, was nach einem Streit um die Vertragsgrundlagen auch im Oktober 2016 in einem Betrauungsakt fixiert worden ist. Dieser läuft noch bis zum 31. Dezember 2029. Zusätzlich zu dieser Summe überweise derzeit das Rehaklinikum jedes Jahr 500 000 Euro an das Aqualon für die Leistungen, die dort in Anspruch genommen werden. "Das würde sich natürlich reduzieren, wenn wir das Bad bauen würden", so Alexander Guhl. Für ein neues Bad würden wohl Kosten in Höhe von zwei bis drei Millionen Euro entstehen. Bereits klar sei, dass das Rehaklinikum nach dem Umzug ins Spitalgebäude aus Therapieräumen im Aqualon ausziehen werde. "Deswegen wird das Rehaklinikum künftig weniger Geld überweisen", betonte Alexander Guhl. Allerdings betonte er: "Es gibt jetzt eine Ideensammlung, das muss noch nicht so umgesetzt werden. Dann muss man sehen, ob das das ist, was unsere Bedürfnisse am besten befriedigt. Wir wollen natürlich weiterhin eine gute Zusammenarbeit mit dem Aqualon haben." Die Stadt ist zwischenzeitlich Mehrheitseigner des Rehaklinikums (die BZ berichtete).

Früher habe es das Bad im Marienhaus gegeben, was für die geriatrische Reha genutzt worden sei. Nun ziehe das Marienhaus perspektivisch auf den Campus um, weswegen die Frage sei, ob ein solches Bad nun auf dem Campus wieder aufleben soll. Dies wäre dann das neue Therapiebad. "Ich denke, dass die Trennung der beiden Strukturen auch zwei Gewinner haben könnte", so der Bürgermeister. "Wir wollen das Rehaklinikum halten, deswegen müssen wir Angebote haben, die die Kostenträger attraktiv finden."
Betrauungsakt

Per Vertrag beauftragt hat die Stadt Bad Säckingen die Stiftung mit dem "Betrieb eines öffentlichen Mineralwasser-Thermalbads mit Innen- und Außenbereich, einer öffentlichen Saunawelt, eines öffentlichen Naturschwimmbades und Räumen für Massage- und medizinische Trainingstherapie." Dafür erhält die Stiftung von der Stadt durchschnittlich 600 000 Euro pro Jahr an Ausgleichszahlungen. Dieser Betrauungsakt läuft noch bis zum 31. Dezember 2029.